Geschichte des Rittergutes

Die Geschichte unseres Hofes sowie die Geschichte der Herrschaft zu Dürrhennersdorf ist fest mit unserem Dorf verbunden. Um 1334 gehörte das Dorf der Görlitzer Patrizierfamilie von Heller. Dürrhennersdorf wurde erstmalig urkundlich als Herrensitz 1348 unter Fricze von Henrichisdorf erwähnt und fast 30 Jahre später 1374 denen von Haugwitz auf Neukirch. Diese Besitzer traten wahrscheinlich in kein näheres Verhältnis zu unserer Dorfgemeinschaft. Sie ließen sich die ihnen gebührenden Abgaben durch den Richter übermitteln und kümmerten sich sonst kaum um das Dorf. Der Besitzerwechsel hatte darum auch keinen Einfluß auf die Entwicklung des Lebens der Gemeinde gehabt. Die Aufwertung zum Rittergut ist datiert auf das Jahr 1554. Bereits 1561 bezeichneten sich zum ersten Mal die Söhne Rudolphs von Gersdorf, der diesen Ort wiederum 1519 von dessen Vater Christoph von Gersdorf erhalten hatte, als Caspar und Sigismund zu Dürrhennersdorf. Jeder der beiden Brüder hatte ein Gut Dürrhennersdorf. Der Obere Hof, am südlichen Ende des Dorfes , wohl schon vom Gründer des Ortes angelegt, mußte so vergrößert worden sein, dass er dem Niederen Hofe etwa gleichkam. Durch Urbarmachung immer weiterer Waldstücke, schließlich durch Kauf von Teilen einiger Bauernhufen , waren beide Höfe Großgüter geworden. Von Caspar kaufte das Gut zu Dürrhennersdorf oder einen Teil Heinrich von der Kosel, der es aber später wieder an die Söhne Caspars abtrat. Die Güter sollten den adligen Besitzern höhere Erträgnisse bringen. Frühere Grundherren hatten sich vom Richter die altfestgesetzten Zinsen auszahlen lassen, die jetzigen fühlten sich als Gutsherren und erstrebten planmäßig eine Steigerung der Leistungen. Sie hatten es sehr nötig. Ihr Stand hatte sich das kostspieligere Leben reicher städtischer Bürger angewöhnt, obgleich die Geldeinkünfte nicht gestiegen waren. Nun litt er mehr als ein anderer Stand unter dem eingetretenen Währungsverfall. Wie aber konnten die Großgüter auch Großgewinn einbringen? Wenn die Ausgaben auf einem Mindestmaß gehalten wurden. Das bedeutete: wenn die Einwohner des Dorfes mehr zur Hofearbeit herangezogen wurden. Sie bekamen die Kost als Lohn und waren also die billigsten Arbeitskräfte. Es war nicht schwer, sie in immer größerer Zahl aufzubringen. Beim Anwachsen des Dorfes stieg auch die Zahl derer, die keine lohnendere Beschäftigung fanden und die gern mit der Entschädigung, die ihnen auf dem Herrenhofe geboten wurde, fürlieb nahmen. Noch wußten sie es nicht, in Wirklichkeit waren die Nachkommen freier Leute schon unfrei geworden. Bald aber vernahmen sie das Wort , das ihr künftiges Schicksal ausdrückte „ Untertanen !“ Das Jahr 1562 besiegelte auch das Los der Dürrhennersdorfer. Es schenkte den Rittergutsherren die „oberste Gerichtsbarkeit“. Die Häusler und Gärtner wurden zu Diensten und Zinsen verpflichtet wie die Bauern. In den Aufstellungen , die nun für Verkauf oder Verpachtung eines Ritterguts gemacht wurden, bildeten die „Dienstbarkeit der Untertanen“ neben den verschiedenen Nutzungszweigen einen der Hauptwerte. Es wurde also die Arbeitskraft der Dorfeinwohnerschaft mitverkauft oder mitverpachtet. Als im Januar 1582 ein Caspar von Gersdorff „Guth und Rittersitz“ Dürrhennersdorf verkaufte, hieß es im Vertrag : „mit Gertten, Äckern und Wiesen, mit ober und Niedergerichten, Rechten, Leutten, Zinsen und Diensten, Weiden, Schäfreyen, Wasser, Wasserläufen, Brunnen, Teichen und Teichstädten, Mühlen, Mühlstetten, wilden Fischereyen, Purschen, Höltzen, Jagdten, Herrlichkeiten und allen und jeden Zu- und eingehörigen.“ Christoph von Luttitz erwarb 1619 von Caspar Christoph von Gersdorff das Obere Gut, 1620 von Hans Christophs von Gersdorff Bruder das Niedere Gut. Am 14. Februar 1628 wurde ihm der Lehnbrief ausgestellt, er erhielt beide Güter „zu rechtem Mannlehn“. Christoph von Luttitz starb 1636. Im selben Jahr verstarb auch sein Sohn Wolf Abraham, dem in Dürrhennersdorf eine Tochter Anna Dorothea geschenkt wurde. Nun erbte dessen Bruder Hans Christoph von Luttitz Dürrhennersdorf. Da er noch unmündig war, übernahm zunächst seine Mutter, dann Benno von Luttitz auf Räckelwitz und Jeßnitz die Herrschaft, bis er 1644 mit beidenGütern belehnt wurde. In diesem Vertrage sind die Untertanendienste als Robotten bezeichnet. Nach Hans Christophs Tode war seine Witwe Sophia Helena Besitzerin. Sie bat, weil sie außer vier Töchter nur ihren mittelsten Sohn Hans Adolph hatte, den Kurfürsten, die Güter Weidlitz, Luga, Dürrhennersdorf in Weiber-,Spill und Kunkellehen zu verwandeln. Das geschah. Wenn nun ihr Sohn ohne Leibeserben blieb, so fielen nach seinem Tode die Güter seinen Schwestern zu. Hans Christoph wurde nach erlangter Mündigkeit 1673 belehnt. Schon im nächsten Jahre mußte er Luga verkaufen, und 1687 verlor er auch Dürrhennersdorf. Bereits 1674 hatte er der Stadt Löbau Dürrhennersdorf für 20000 Taler angeboten. Die Stadt sah sich aber nicht in der Lage, den Kauf abzuschließen. 1687 kaufte Ludwig Gebhardt Freiherr von Hoym, kurfürstlich sächsischer Kämmerer und Bergwerksdirektor, das Gut Dürrhennersdorf, den Niederen und den Oberen Hof. Unter der Herrschaft von Gersdorff waren die Hofedienste noch gering gewesen. So wurden in einem Jahr „elf Sicheln“, womit elf Handdienste auf dem Felde gemeint waren, verlangt.Die Nachfolger steigerten die Lasten. Ludwig Gebhardt Freiherr von Hoym verlangte, was der vom Kurfürsten anerkannte Landesbrauch nur gestattete. So wurde das Urbarium von 1687, das „der sämtlichen Dürrhennersdorffischen Unterthanen Dienst, Beschwehr und Schuldigkeiten“ enthält. Es legt die Verpflichtungen einzeln für Bauern, Gärtner und Häusler fest und vergißt auch die Unvermögenden nicht! Die neun Großbauern Mattheß Petzoldt, George Weber, Caspar Freundt, George Wüntzsche, Michel Pursche, Christoph Israel, George Pursche, Hannß Israel, Christtoph Wünzsche und die neun Kleinbauern Mattheß Wüntzsche, Mattheß Seydel, Christoph Schneider, Christoph Nudel, Christoph Pursche, Michael Wünzsche, Hannß Freund, Christoph Reyftin, Hannß Seydel verrichten wöchentlich vier ganze und zwei halbe Tage „ mit dem Zuge, jedes Gespann von vier Stunden, doch solchergestalt, wenn ihnen den ganzen Tag auf dem dem Acker geboten wird, erscheinen sie vormittags mit dem Pfluge oder mit dem Ruhrhacken, nachmittags mit den Eggen, Freitags und Sonnabends, da sie halbe Tage tun,nachmittags mit der Hand“. „ In der Gras- und Getreideernte erscheinen sie mit der Sonne Aufgang, bringen jedweder einen Abraffer, wenn sie den ganzen Tag hauen, auch das Dengelzeug, bei der Sense der Mäder auch einen Rechen mit, und müssen sie bei der Gras- , Getreide-als auch Grummeternte fahren bis in die Nacht, ja , weil was im Felde ist, ab- oder hereinholen.“ Ein Drei- Pferdner ladet ein Schock, ein Zwei- Pferdner drei Mandeln. So ist die Lademenge auch für Dünger- und Holzfuhren genau bestimmt. Die Bauern mußten für die Herrrschaft auch die Fuhren über Land machen. Eine Fuhre nach Löbau galt als eine Tagesleistung. Wer nach Bautzen,Görlitz oder Zittau mit Getreide fuhr, konnte den folgenden Tag zu Hause bleiben. „Wenn sie aber nach Dresden oder ander dergleichen Orte führen, bleiben sie bei ihrer Heimkunft zwei Tage zu Hause, und würde ihnen freigelassen, ob sie des Tages vorher dem Vieh Gutes tun und ihr Futter zurechtmachen, zu Hause bleiben wollten, so würde alsdann denen, die solches verlangten, bei ihrer Heimkunft noch ein Tag passiert.“ Spanndienste gab es vor allem zur Heranschaffung von Baumaterialien. „Ein Wagen hatte zwei Viertel Kalk oder zwanzig Schock Schindeln oder eine halbe Klafter Holz oder zwei Klötzer nach der Brettmühle zu laden.“ Ein Schock ist ein ein altes Zählmaß; 1 Schock = 5 Dutzend = 60 Stück und ein Klafter ist ein altes Maß für gestapeltes Holz. Im heutigen Gebrauch entspricht ein Klafter meist drei Raummetern. Traditionell unterscheidet sich die Größe eines Klafters regional und liegt meist zwischen drei und vier Raummetern. Gespanne mit Buschstreu von der lawäldischen Seite des Kuhberges mußten zweimal, etwas hinterm Berge dreimal und vorn am Berge viermal in den Hof fahren. Die Gespanne zum Oberhof fuhren aus den „ Kiefrige vier und von der Grenze drei fuhren Streu in den Hof.“ „Ebenmäßig brächten sie die Kurfürstliche Rente nach Bautzen, deswegen am Diensten auch nichts abgekürzt, sondern sobald sie nach Hause, ihre Dienste wiederum verrichten müßten.“ „Sämtliche Bauern wären auch zu Walpurgis eine jährige Kalbe von der Herrschaft zu nehmen schuldig, und dieselbe , bis Vieh einstellig wird, zu behalten, wann ihnen aber kein Vieh gegeben würde, müßten sie davor ohne Entgelt ein Stück grob Garn spinnen. Zu diesen spinnen sie jährlich noch ein Stück, bekommen von diesen zu Lohne 1Groschen und 2Pfennige.“ Wöchentlich vier ganze und zwei halbe Tage Hofedienst! Eine Arbeitskraft wurde somit den Bauergut fünf ganze Tage lang entzogen. Dazu noch an den meisten Tagen ein Gespann. Wie sollte da der Bauer seine eigene Wirtschaft ordentlich betreuen? Das ließ die Herrschaft seine Sorge sein! Nun geht aus einer späteren Fassung des Urbariums von 1794 hervor, dass die Bauern die Spannfuhren mit Ochsen statt mit Pferden machten. Das sollte nicht gelitten werden, bürgerte sich aber so sehr ein, daß sich die Gerichtsherrschaft zu einer „ausdrücklich bedungenen Einschränkung“ der früheren Bestimmungen bereit erklärte. Zur Bespannung der Wagen, in welchen Personen abzuholen und zurückzubringen waren, mußten Pferde gestellt werden, zu den Land- und Zechfuhren durften die Bauern Ochsen benutzen . Mit den Gegenleistungen des Rittergutes für das Diensten war man wohl zufrieden, da alle Dorfleute an die bescheidenste Kost gewöhnt war. „Von einem Brote, so wie das Maß vorhanden, bekommt die Person jedesmal den fünften Teil. Zum Frühstück wird ihnen zwei Gerichte und eine Suppe. Zu Mittage zwei Gerichte und ein Eingebrocktes, dabei jedesmal die Person ein bißchen Brot. Wann den ganzen Tag gehauen wird, bekommen sie Vesperbrot, nämlich die Person ein bißchen, einen Quark und ein Eingebrocktes. Beim Getreideeinführen bekommt der Fuhrmann ein bißchen Brot und einen Quark. Wer nicht einführet, dessen Abraffer wird nicht gespeist, der aber einführen soll, dessen Abraffer geneust die Kost“ Die Gerichte bestanden aus gestampfter Hirse und Grütze, eingebrockt wurde in Bier und Mittelbier. So war auch die Kost des Gesindes. Die Bauern hatten nicht nur den Hofedienst, sondern auch Geld- und Naturalzinsen zu leisten. Es gab zum Beispiel der Großbauer Petzoldt an Silberzins 7 Groschen und 9 Pfennige, an Zinskorn 4 Scheffel 1 Viertel 2 Metzen, an Zinshafer ebenfalls 4 Scheffel 1 Viertel 2 Metzen. Der Kleinbauer Seydel entrichtete an Silberzins 7 Groschen und 9 Pfennige, an Zinskorn 3 Scheffel, an Zinshafer 3 Scheffel, dazu drei Zinshühner. Die 18 Bauern brachten es zusammen auf 4 Taler 13 Groschen 8 Pfennige, sowie auf 40 Scheffel 2 viertel 1 Metze Korn, ebensoviel Hafer, 11 Hühner und 18 Stück unentgeltlich gesponnenes Garn. Bis zum Jahr 1855 kann ein Durchschnittswert von 55 Kilogramm für den Scheffel angenommen werden. Der Metzen ist der Name eines Hohlmaßes für Getreide und Salz verschiedener Größe. Auch mußten sämtliche Bauern je einen Sack mit Ebereschenbeeren abgeben. Sollten sie keine Ebereschen haben mußten sie als Ersatz einen Scheffel Hafer entrichten. Eine besondere Verpflichtung für die Großbauern war das halten eines Jagdhundes. Die Gärtner waren besonders zu Handdiensten verpflichtet. Genannt sind als Großgärtner „Hannß Wunderlich, Michel Wüntzsche , die Christophs Pohlen. Als Kleingärtner Mattheß Wüntzsche, Jacob Elßner, Matthes Israel, Matthes Pursche, Hannß Pursche, Martin Israel, Matthes Wunderlich, Hannß Israel, Mattheus Dießner, Georg Wunderlich, Hannß Petzoldt, George Nudl, George Pursche, Hannß Schwehr, Matthes Seydel, Hannß Mücklisch, die Matthes Iraeln, Matthes Micklisch.“ Wenn sie gebraucht wurden mußten sie auf den Herrenhof erscheinen. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Das Heumachen, Siedeschneiden, Getreidebinden und „Einpannseln“, Flachsbrechen und Flachshecheln, Holzschlagen, Reisig hacken und Dreschen kam ihnen zu. Sie taten es für die Kost, die mittags in zwei Gerichten und einem Eingebrockten „nebst dem gewöhnlichen Brote“, abends in Eingebrocktem oder Suppe bestand . „Dreschen um den 17. Scheffel und zwar drei in einer Scheunen, des Tages ein halbes Schock; wann sie am Hofetage dreschen, bekommen sie Frühstück und Mittagessen wie oben, auf den Abend eine Suppe oder Eingebrocktes.“ Was war nun der Unterschied zwischen den Bauer und den Gärtnern. Ein Gärtner war frei vom Flurzwang. Er war nicht der dorfgemeinschaftlichen Fruchtfolge unterworfen. Er hatte allerdings auch keinen Anteil an der Allmende, d.h. am gemeinsamen Wald, Weiden und Wiesen. Auf seinen eingezäunten Gärten kleinen Feldern, die gegen Abweiden geschützt werden durften, baute er Feldgemüse und Handelspflanzen, aber kein Getreide an. Bleiben die Häusler. Sie sind in mehrere Gruppen eingeteilt und bis zum letzten erfaßt. Christoph Höne, Mattheus Menzel, George Matz, Jacob Wünzsche, Christoph Israel, die Hannß Heincken, die Martin Piezschen, die Christoph Israeln, Hannß Wüntzsche und Christoph Ritzel „thun ebenmäßig täglich ungemeßne Handdienste, und zwar mit dem Rechen, bekommen ebenergestallt ihre Kost, sie seyn zu gantz oder zu halben Tagen wie die Gärthner“. Sie müssen „um den 17. Scheffel“ dreschen, wofür sie zur Kirmes ein Viertel Backkorn bekommen. Den Flachs jäten, raufen, rüffeln, ausbreiten, aufraffen, brechen und hecheln. Die Wiesen räumen, die Laub und Buschstreu „und was sich mit dem Rechen traktieren läßt, rechen helfen.“ Jeder spinnt zwei Stück flächsen Garn und erhält für jedes Stück 2 Groschen 4 Pfennige Lohn. Elf andere Häusler, unter ihnen Martin Heincke, der Schulmeister, des Schulmeisters Frau und Hans Rudel der Tischler hatten „gesetzte Tage“ und mußten dazu Flächsen und ein Stück Mittelgarn spinnen. Der Schulmeister und der Tischler zahlten jeder 6 Groschen Schutzgeld und diensteten 18 Tage. Dann gab es vier Häusler, deren jeder 2 Taler 12 Groschen Dienstgeld, 6 Groschen Steuer abführen und ein Stück Mittelgarn spinnen mußten. Es waren dann noch neun „ Gedings oder alte unvermögende“ Häusler übrig. George Freund, die Chistoph Schneidern, die George Räpßgen, die Christoph Webern, die George Matzen, die Hannß Petzoltin, die Hannß Porschen, die Baltzer Wunderlichen, die Hannß Israelen, also meist Witwen. Von ihnen war nicht viel zu fordern. Sie mußten je ein Stück Flächsen Garn spinnen, beim Hopfenpflücken und bei der Schafschur helfen, und zwar „ohne Entgelt“ Zu diesen umfangreichen Dienst und Zinsleistungen kam nun noch der „Dienst der erbuntertänigen Kinder“ , der Zwangdienst. „Sämtliche Erb Untertanen sind schuldig, ihre Kinder auf Verlangen auf dem Herrschaftlichen Hofe dienen zu lassen, und zwar jeden Sohn zwei Jahre, jede Tochter aber drei Jahre nacheinander.“ Der Lohn für den Knecht betrug jährlich sechs Reichstaler, und es wurde ihm ein Viertel Lein, wozu er den Samen geben mußte, unentgeltlich gesät. Die Gesindeköchin erhielt zwei Taler, die übrigen Mägde einen Taler und zwölf Groschen jährlich, dazu fünf Ellen weißgebleichte flächsene, fünf Ellen gebleichte mittlere und sechs Ellen grobe rohe Leinwand, und einer jeden wurde gleichfalls ein Viertel Lein gesät, wozu sie den Samen gaben.“Dagegen sind aber auch sämtliche Hofemägde verbunden, abends für die Herrschaft zu spinnen, und zwar von der Kirchweihe bis zur Fastnacht jede Magd an fünf Abenden ein halbes Stück oder jeden Abend vierundzwanzig Gebind. Von Fastnacht bis Ostern aber jeden Abend nur eine Zaspel oder zwanzig Gebind.“ Nur wenn das Rittergut nicht alle Kräfte brauchte, gab es einem erbuntertänigen Kinde einen Gunstbrief, der ihm gestattete, anderswo einen Dienst anzunehmen. Weiterhin ist genau dargestellt, wie das Gesinde beköstigt wurde am Wochentag, am Sonntag und am hohen Festtag. ‚Alles war genau festgeschrieben. Wie ich bereits erwähnte, kaufte 1687 Ludwig Gebhardt Freiherr von Hoym, kurfürstlich sächsischer Kämmerer und Bergwerksdirektor, das Gut Dürrhennersdorf, den Niederen und den Oberen Hof. Aber wie ging es nun weiter? Die Herrschaft Derer von Hoym fiel zum großen Teile in die Regierungszeit August des Starken. Auch Anna Constantia Gräfin von der Cosel, eine geborene von Brockdorff, lebte zu dieser Zeit. Sie war am 17.Oktober 1680 in Depenau geboren und starb am 13. März 1765 auf der Burg Stolpen. Was hatte sie mit unserem Dürhennersdorf zu tun? Ich bekam vor Jahren ein Bild mit einen kleinen Artikel aus einem Jahrbuch von 1928. Es zeigte unseren Oberen Hof mit der Schilderung das die Gräfin auf der Flucht nach Polen ( 1716 ) angeblich hier genächtigt hatte. Mir war dies bisher auch noch nicht bekannt. Mögliche Verbindungen könnten es geben, da sie in erster Ehe (verh. 1703–1706) mit Adolph Magnus Freiherr von Hoym, ab 1711 Reichsgraf von Hoym ein königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer wirklicher Geheimer Rat, Kabinettsminister, General-Akzise-Inspektor und Obersteuerdirektor verheiratet war. Der ja der dritte Sohn von Ludwig Gebhardt Freiherr von Hoym war. Ein weiterer Sohn Ludwig Gebhardt Freiherr Hoym hatte bereits am 23. September 1687 Dürrhennersdorf übernommen. Er diente dem Kurfürsten als Kammerdirektor. Er hatte die Güter Droyßig, Hoym und Burgscheidungen geerbt. Als kurfürstlich sächsischer Kammerdirektor kaufte er Wurschen, 1683 Niederschönbach, 1700 das Erblehngut Oberschönbach,1683 Lauba, 1685 Grünewald nebst Stella. Nach dem Erwerb von Dürrhennersdorf 1687 noch Ober und Niederspremberg und Neusalza. Versetzten ihn auch die Einkünfte aus den ersten Gütern in den Stand zu dieser riesigen Vermehrung des Grundbesitzes. So sah Friedrich August , der neue Kurfürst , dies etwas anders. Er ließ den Kammerdirektor wegen Verdachts der Unterschlagung verhaften. Anderthalb Jahre verbrachte von Hoym auf der Festung Königstein, dann wurde der Prozeß gegen eine Zahlung von 200 000 Talern niedergeschlagen. Er durfte nun sein altes Amt wieder übernehmen. Sein Sohn erbte 1711 Dürrhennersdorf. Karl Heinrich Graf von Hoym , der Dürrhennersdorfer Gutsherr von 1712 bis 1736, war eine der fesselndsten Gestalten seiner Zeit. Von den einundzwanzig Kindern, die sein Vater in vier Ehen gezeugt hatte, war er der jüngste am Leben gebliebene Sohn. Seine Jugend verlebte er teils am lothringischen Hofe, teils bei seinem Schwager , dem Minister Grafen Bothmer in Hannover. Im Gefolge des kursächsischen Prinzipalgesandten nahm er an der Krönung Kaiser Karls VI. In Frankfurt teil. Dann begab er sich ins Ausland. Paris war die Stadt, wo der bildschöne, kunstsinnige und literaturverständige junge Mann sich glücklich fühlte. Paris wurde seine zweite Heimat. Daher konnte man keinen geeigneteren für die Stelle des verstorbenen kursächsischen Gesandten in Frankreich finden als Karl Heinrich Grafen von Hoym. Mit sechsundzwanzig Jahren schon wurde er dazu ernannt. Er mußte, wie seine Gesandtschaftsberichte verraten, für alle Finanzfragen ein besonderes Verständnis entwickelt haben. Kein Wunder beim Sohne des Kammerdirektors und des Obersteuerdirektors! Und kein Wunder auch bei der Spekulationswut, die damals unter dem Finanzminister Jean Law in Paris um sich griff! Es gab unbegrenzte Möglichkeiten für Leute mit Vermögen, da die Aktien der Indischen Kompanie, die zur Ausbeutung des Mississippi-Gebiets gegründet worden war, auf das Vierzigfache stiegen! Karl Heinrich Graf von Hoym aber hatte von Anfang an große Mittel und scheint sie gut angewendet zu haben. Als er im Frühjahre 1727 nach Sachsen zurückkehrte , da war das phantastische Spekulationsunternehmen bereits zusammengebrochen und viele Reich gewordene an den Bettelstab gebracht. Er jedoch muß ein bedeutendes Vermögen besessen haben. Er tat, was sein Vater schon getan hatte. Zu den Gütern Ober- und Niederspremberg, Ober- und Niederdürrhennersdorf, Ober und Niederschönbach, Niederlauba und dem Städtchen Neusalza, die er geerbt hatte, erwarb er noch Schlamnitz und Althammer bei Oppeln, Oberlauba, das Flemingsche Palais in Dresden, die Güter Putzkau, Skaska mit Liebegast, Lieska, Döbra und Milstrich! Das musste den Neid und auch Misstrauen wecken. Karl Heinrich Graf von Hoym, Geheimer Rat, Kabinettsminister, fiel in Ungnade. Er wurde wegen begangener Unterschlagung verhaftet. Seine auffallenden französischen Gewohnheiten und seine geselligen Beziehungen hatten ihn schon vorher unbeliebt gemacht. Dazu wurde er vom kaiserlichen und vom Berliner Kabinett befeindet, denn er hatte das Ziel verfolgt, Kursachsen in der Vereinigung mit Polen zu einer Macht neben Preußen und dem Kaiserstaate zu machen. Um das zu erreichen hatte er zu einem engeren Verhältnis mit Frankreich geraten. Noch schien sich das Unheil abwenden zu lassen. Gegen Zahlung einer hohen Summe erfolgte von Hoyms Begnadigung. Doch schon im Jahre 1733 wurde er wieder verhaftet und in Pirna auf den Sonnenstein gebracht. Diesmal war er eines Ehebruchs beschuldigt worden. Nach vier Wochen ließ man ihn frei. Erneut wurde er verhaftet und wegen Vergehen am Staatsgut auf der Festung Königstein in Haft gesetzt. Hier erhängte er sich am 22. April 1736. Der Nachfolger des Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke; 1670-1733; reg. 1694-1733) sein Sohn Kurfürst Friedrich August II., ließ Karl Heinrichs Grafen von Hoym Vermögen und Lehn einziehen. Lehn ist Grundbesitz, der von einem Fürsten o. Ä. an einen Untergebenen mit der Verpflichtung verliehen wird, dass er dem Lehnsherrn mit persönlichen Leistungen zur Verfügung steht. Er bestimmte „das Alles, was dem Grafen von Hoym erb- und eigentümlich zugestanden und zwar vom 15. Juni 1731 an, als der Zeit der ersten Agnition seiner Verbrechen, Unserem Königlichen Fisco gehöre!“ So auch das Obere- und Niedere Gut Dürrhennersdorf. Auf Anordnung vom Kurfürsten, wurden die Güter von 1736 – 1741 unter Verwaltung des Grafen von Rödern erklärt. Diese Beschlagnahme wurde 1741 aufgehoben. Die drei Vettern Julius Gebhard, Karl Gotthelf und Gotthelf Adolf von Hoym teilten sich nach dem Gnadenerlasse auch in den Besitz von Dürrhennersdorf, des Oberen und Niederen Gutes. Karl Gotthelfs Tochter Charlotte Dorothea von Hoym, 1743 im Hause Guteborn geboren, wurde 1764 die Frau des kursächsischen Hausmarschalls Peter August von Schönberg. Ihre älteste Tochter Auguste Charlotte war später als Gräfin von Kielmannsegge bekannt. Als der Kgl. Sächsische Hausmarschall Peter August von Schönberg auf Schmochtitz 1768 die Güter Dürrhennersdorf, Schönbach, Lauba und Spremberg mit der Stadt Neusalza erwarb, beschloß er sofort, das Gut Oberdürrhennersdorf aufzulösen. Er hatte 90 000 Taler für die Güter ausgegeben! Da mochte ihm das Geld knapp geworden sein, und er mußte an Landverkauf denken. Es war auch die Zeit des Umbruches auf dem Land. Das Wirtschaften auf den Herrenhöfen wurde immer schwieriger. Die Untertanen kamen unlustig zu den Frondiensten, sie verlangten Erleichterungen. Die Entwicklung ließ sich nicht mehr aufhalten. Schon gab es Dörfer in der Gegend mit fast lauter freien Bauern. Bei uns in Dürrhennersdorf aber galt immer noch das alte Urbarium von 1687, das den Bauern wöchentlich vier ganze und zwei halbe Tage Hofedienst vorschrieb. Wenn die Leute sich weigerten, diesen alten Verpflichtungen nachzukommen, konnte man sie nicht mehr wie vor hundert Jahren in den Turm Stecken oder gar mit dem Tode bestrafen. Es blieb nichts übrig, als die Schuldigkeiten der Untertanen herabzusetzen, damit diese nicht eines Tages ganz wegblieben. Zur damaligen Zeit kam ein Rittergut mit fünf oder sechs Personen Gesinde aus, das Dorf leistete ja die meiste Arbeit. Wie sollte man die Arbeitskraft der Fröner ersetzen und das auf auf zwei Gütern im Dorf. Er verringerte sich diese Sorge, wenn er die Flur eines Gutes gleich zu zerschlagen begann. Dieses mußte das ungünstige Gut Oberdürrhennersdorf sein. Darüber schreibt unser Oskar Schwär in seiner Chronik „Je kleinere Stücke er machte, um so mehr steigerte er die Nutzung der Fläche. Also durften nicht Bauernhufen geschaffen werden, sondern kleine Gärtner- und Häusler – stellen.Die Siedler konnten sich auf einigen Scheffeln Land ihre geringen Bedarf an Getreide und Hackfrüchten erbauen, im übrigen würden sie von der Leineweberei leben. Die Flur des Oberen Gutes erstreckte sich am Ende von Dürrhennersdorf als eine ganz flache Mulde, durch die ein Wässerchen floß, nach Westen. Der Obere Hofebusch rahmte das Feld- und Wiesenland im Süden an der Friedersdorfer Grenze hin und im Westen ein. Der Frau Mutter Busch und der Eichbusch umschlossen dunkel den nordwestlichen Winkel, und vom Eichbusch aus zog sich das Flurstück „Bei dem Honigbaume“ nach dem Gutshof zu. Rechts und links des Wässerchens, das seine Quellen im Hofe- und Frau Mutter – Busche hatte, sollte je eine Reihe von Hausgrundstücken entstehen. Siedlungslustige fanden sich damals. So wurde denn mit der Flurteilung begonnen, und zwar auf der südlichen Hälfte der freien Fläche. Die heißt darum heute noch die alte Seite. Die Parzellen verliefen vom Wasserlaufe schnurgerade nach dem südlichen Hofebusche. Sie waren schmal, aber lang und hatten jede einen Inhalt von vier Scheffeln Wiese und Feld. Am 03. Juni 1778 erfolgte die erste Baustellenverschreibung. „ Seine Excellence Herr Peter August von Schoenberg etc. überläßt die auf Dero hiesigem Oberhofe sub Nr.14 befindliche Baustelle samt dazu geschlagenen vier Scheffel Feld und Wiesenwachs“ Johann Christian Rudolhen. Dies war der Anfang. Zwei Tage später vollzogen Christian Wünsche sub Nr.2 und 3, also acht Scheffel, Johann George Zänker sub Nr.18, vier Scheffel, Hans Christoph Schindler sub Nr.5 und 6, also acht Scheffel, den Kauf. Am 31.August desselben Jahres erwarben Christian Matthes, Christian Profft, Hans George Israel sub Nr.12, Gottfried Israel sub Nr.11 ihre Baustellen, jede mit vier Scheffeln. Sie hatten sich verpflichtet, ein Haus so bald als möglich zu erbauen. Die acht Genannten sind also die ersten Anbauer des Ortes gewesen. Im Juli 1779 kamen Gottfried Rötig sub Nr.15, Johann Michael Wagner sub Nr.13, Christian Traugott Sauermann sub Nr.19, Christian Röthig sub Nr.20, Christian Reichelt sub Nr.16 hinzu. Jeder nahm eine einfache Stelle, also vier Scheffel. Der Gutsherr überließ ihnen das Land „erb- und eigen-thümlich ohne einiges Entgelt“ Sie hatten einen jährlichen Erbzins zu entrichten. Er betrug für jeden Scheffel zwei Taler. Die schweren Lasten, die den Dürrhennersdorfern nach und nach auferlegt worden waren, mutete Herr von Schoenberg den neuen Siedlern nicht zu. Nur einige geringe Verpflichtungen erhielten die Käufer: Abführung eines Beitrages zu jeder ausgeschriebenen Mundgutsteuer, von jedem Scheffel Land drei Pfennige; die jährliche Entrichtung eines Hutweidegeldes, von einer Kuh zwölf, von einer Kalbe sechs Groschen; die Erlegung eines jährlichen Schutzgeldes für jeden „Hausmann, auch beweibte Kinder und Pachter der Nahrung“ in Höhe von acht Groschen; die Erlegung des Herrschaftlichen Lehngeldes beim Kauf einer Nahrung nach fünf vom Hundert. Genau bestimmt wurde, wie weit jeder Anbauer sein Vieh treiben durfte, zu Beispiel für Johann Christian Rudolph: vom Hofebusch „bis an das Flößgen bei der Schaafbrücke“. Jagd und Schafhutung waren der Gnädigen Herrschaft zu verstatten. Verboten war jedem,“bei willkührlicher Strafe, in den der Herrschaft gehörigen Flößgen und Wassergraben des Fischens und Krebsens sich zu untersagen, die Wege zu verschmälern oder zu verbauen“. Die Anbauer sollten ihre Kinder möglichst im Ort festhalten, damit sie es taten , war für den Wegzug eines Kindes der Betrag von zwei Talern zu zahlen. Und noch eine wichtige Bestimmung stand im Vertrag: „ Die Hausbesitzer sind verpflichtet, ihren Branntweinbedarf, bei einem neuen Schock Strafe auf jeden Contraventionsfall, auf der Herrschaftlichen Branntweinbrennerei in Dürrhennersdorf zu holen.“ Bei diesen Bedingungen bedeutete das Siedeln kein großes Wagnis für die Leute, und Herr von Schoenberg kam dabei zu einer höheren Verzinsung, wie wenn er das obere Gut selbst in Bewirtschaftung erhalten hätte. Er lieferte vielleicht zur Förderung des Werkes Baustoffe, wie es die Herrschaften früher auch getan, und ließ durch dienstpflichtige Dürrhennersdorfer die Fuhren besorgen. Da wuchs auf der Südseite 1778 und 1779 die ersten Häuserzeilen. Das Dorf war gegründet. Nach einem Namen brauchte man nicht zu suchen: der Herr von Schoenberg hatte das Siedelwerk ins Leben gerufen, und also hieß der neue Ort Neuschoenberg. Drei Jahre Später hatte die Neusiedlung schon sechzehn Anwesen, wie auch die Karte zeigt, die vom „ Churfürstlichen Sächsischen Gräntzcommissarius“ Christian Salomon Heinrich Hemmann für die Gerichtsherrschaft hergestellt wurde. Und mehrere Baustellen waren wieder verschrieben worden: an Christian Gocht, Christian Wünsche, Gottlieb Reinwippe, Tobias Schuster, Gottfried Pursche. Einer wie der andere begründete sich eine Häuslernahrung, doch erwarben manche zwei, ja drei, sogar vier Parzellen, also acht oder zwölf oder sechzehn Scheffel Feld und Wiese. Das kleine Stück Land lohnte ihre Mühe. In den Stuben dröhnten die Webstühle. Auch hier war ein Webstuhl frei, für jeden weiteren wurden sechs Groschen Stuhlgeld entrichtet. Der Obere Hof mit Jägerhaus und Schafstall erhielt sich wohl noch eine Zeit, aber es wurde stiller um ihn. Denn als man auch die nördliche Hälfte seiner Flur zerschlug, wurde ihm der Lebensgrund entzogen. Das ging freilich langsamer vor sich, da der Frau Mutter- Busch und der Eichbusch ihre Ausläufer ein Stück am Wasser entlang zogen und das Freiland durch Rodung erweitert werden mußte. Dann aber reihten sich wie auf der südlichen auch auf der nördlichen Seite die Häuser, bis das ganze Dörflein in seinem vierten Jahrzehnte 59 Hausbesitzer hatte. Nur fehlten der Tochtersiedlung die Bauernhöfe mit Waldhufen. Die Landstreifen der Gärtner und Häusler endeten vor dem Busche. Zwischen beiden Häuserreihen ist noch, wie früher in Dürrhennersdorf die Aue, das Wiesenland. Damit auch die Neuschönberger die fröhliche Geselligkeit pflegen konnten, gab es bald einen Kretscham. Sicher die Gaststätte die viele noch im Volksmund als „Dreckcher Ärmel“ kennen. Freilich konnten sie nicht zechen wie die Großbauern, sie mußten ihre Groschen sparen und machten den Kretschmer nicht fett. Um 1820 zahlte er nur einen Taler und sechs Groschen Zapfengeld fürs Jahr, während der Dürrhennersdorfer Kretschmer zur gleichen Zeit sechs Taler Zapfengeld abführen mußte. Der Neuschönberger Kretschmer lebte in Wahrheit von der Arbeit auf seiner kleinen Scholle, und zur Zeit der Feldbestellung und der Ernte mag sein Kretscham manche Tage geschlossen gewesen sein. Eine Schule und Kirche konnte der kleine Ort sich nicht leisten. Die Kinder liefen die weite Strecke zur Dürrhennersdorfer Schule. So beschreibt uns auch Oskar Schwär in der Chronik „Sonntags gingen die Neuschönberger denselben Weg zur Kirche nach Dürrhennersdorf. Manchmal zogen sie in schwarzer Tracht langsam hinter einen Sarg her. An einem der letzten Tage des Jahres 1820 trugen sie den Jäger i.R. Droßky, der im Oberhof wohnte, zu Grabe. Sein Denkmal, das eigenartigste des Kirchhofs, erzählt auf den zwei Schrifttafel, die an einem Säulenstumpf mit gekrönter Urne hängen. Hier ruhet Johann Gottfried Droßky, geb. zu Bornsdorf d. 13.Oct. 1741. Sein Vater war Mstr. Johann Gottfried Drosky, Pachtmüller zu Bornsdorf, die Mutter Fr. Anna Maria gb. Conrad. 1744 ehelichte Er Jgfr. Christiana Sophia gb. Thomii in Neusalz. Sie zeugten 1 Sohn, 1 Tochter, erlebten 2 Enkel. 1788 kam er als Jäger hier nach henersd. In Herrschaftlichen Dienst, wo Er zuletzt noch pensinirt ward. Er starb d. 28. Dec. 1820 – Wir liegen und schlaffen.“ Diesen Text kann man heute nicht mehr lesen, zu verwittert ist die Schrift im Sandstein. Zwei seiner Nachkommen finden wir in dem „Verzeichnisse der Verpflichtungen der Bauern, Gärtner und Häusler zu Dürrhennersdorf gegen dasige Gerichtsherrschaft“ mit demselben Verzeichnisse für Neuschönberg vom 26.Oktober 1836. Die Namen sind in der Reihenfolge der damaligen Hausnummernder aufgeführt. Es sind die der ersten oder zweiten Neuschönberger Hausbesitzer. Zusammen sind es 59 Besitzer, und sie zahlen 550 Taler Erbzins. Auguste Charlotte war die älteste Tochter des Gutsherrn Peter August von Schönberg. Im Schlosse Hermsdorf bei Dresden wurde sie geboren. Da ihr Vater als Verwalter der kurfürstlich sächsischen Schlösser meist in Dresden weilen mußte, sich aber im Sommer meist auf seinen Oberlausitzer Gütern Schmochtitz, Spremberg und Dürrhennersdorf aufhielt. Damals wahrscheinlich besonders oft in Dürrhennersdorf, wo die Tochtergründung auf der Flur des oberen Gutes seine Anteilnahme erforderte. So mußte die Erziehung der Kinder ganz der Mutter überlassen werden. Sie eine geborene Gräfin von Hoym, war im Herrnhuter Geiste erzogen worden und eine Frau, deren vornehme Erscheinung bannte. Als sie 1789 starb, wurde die zwölfjährige Auguste, ein sehr empfindsames Kind, in den ersten schweren seelischen Aufruhr gestürzt. Kaum das sie sich erholte, bereits zwei Jahre darauf, verlor sie auch den Vater. Zwar nahm eine nahe Verwandte, eine siebzigjährige Gräfin von Hoym in Hermsdorf, die Waisen in Obhut, doch war war die streng herrnhutische Erziehung nicht geeignet, ihnen die innere Ruhe zu geben. Nach des Vaters Tode waren die Oberlausitzer Güter an die beiden Töchter gefallen. Der erste Mitbelehnte Johann Wilhelm Traugott von Schönberg auf Luga, Amtshauptmann des Budissinschen Kreises, trat schon 1792 das Lehn an Auguste Charlotte und ihre Schwester Marianne Amalie ab. Sie übernahmen also Dürrhennersdorf als „ein von ihnen neuakquiriertes Mannlehn“. Auguste Charlotte vermählte sich schon mit neunzehn Jahren mit dem Grafen Rochus August zu Lynar, dem Besitzer der freien Standesherrschaft Lübbenau im Spreewald. Sie schenkte im drei Kinder, von denen Hermann und Louise Alexandra am Leben blieben. Die Ehe war nicht aus Neigung geschlossen worden und trübte sich sehr schnell. „Ich weinte aus dem Gefühl meiner Unerfahrenheit heraus an der Wiege meiner Kinder, besah mit einem Schauder die Turmspitze der Lübbenauer Stadtkirche und dachte, dass es mir sechzig Jahre lang bestimmt sein könne, in dieser geistlosen Langeweile diesen unbeweglichen Punkt zu beschauen.“ Ihr Gut Dürrhennersdorf hatten die Schwestern bereits 1794 an sechs Hauptpächter verpachtet, 1799 wurde der Vertrag erneuert. Auguste Charlotte unter Beitritt ihres Ehegemahls des Reichsgrafen Rochus August zu Lynar, und Marianne Amalie von Schoenberg als Verpachterinnen schlossen den Vertrag ab mit Gottlob Pursche, Christian Freunde, Großbauern, Gottfried Schneider, Kleinbauer, Christian Paul, Großgärtner, Gottlob Wagner, Häusler, als Pächter. Diese sechs Dürrhennersdorfer übernahmen das „im Budißinischen Amtsbezirk des Marggrafthums Oberlausitz gelegene Ritterguth Dürrhennersdorf, als das obere und niedere Ritterguth, mit allen Wohn - und Wirtschaftsgebäuden, Gärten, Ackern, Feldern, Brachen, Lehden, Wiesen, Tristen und Huthungen, Rind - und Schweine - Vieh – Nutzungen und Brandtweinbrennerey, ingleichen mit der sämmtlichen Unterthanen Frohnen, Geld – und anderen Zinnsen an Naturalien, Gespinste und dergleichen.“ Ausgenommen von der Pachte waren die Gerechtsamen, wie Ober – und Niedergerichte, das Ius patronatus ( Das Kirchenpatronat oder Patronatsrecht lateinisch ius patronatus, kurz auch Patronat, ist die Schirmherrschaft eines Landes- oder Grundherrn auch einer Gebietskörperschaft oder einer juristischen Person über eine Kirche, die auf seinem Gebiet liegt ). und Collaturae, die Waldungen, die Jagd und der Vogelfang, eine Stube in dem herrschaftlichen Hause zum Gebrauch für die gnädige Herrschaft oder deren Gerichtsverwalter und Ökonomieinspektor. Auch „Alle Neu – Schoenberger Revenuen (Erträge) an trockenen Zinnsen, Stuhl – und Zapfengeld, auch Hausgenossenzinsen und über dieses von Dürrhennersdorf 35 Thaler an Erbzins, Schutz – und Backgeld von der neuen Mühle und 10 Thaler an Dienstgeld von dem Bauer Wünsche, nebst den von demselben zu leistenden und in diesem Kaufe bestimmten Landfuhren.“ Das Pachtgeld war auf 1700 Thaler festgesetzt, das zu je einem Drittel zu Michaelis ( 29. September ), Lichtmess ( 02. Februar ) und Walpurgis ( 30. April ) zu zahlen war. Mit ihren oberlausitzer Besitz Dürrhennersdorf mit Neu – Schoenberg hatte die Gräfin Lynar wenig Sorgen. Plötzlich am 01. August 1800 starb ihr Ehemann Graf Lynar. Wie sollte es weitergehen. Es gab sogar Gerüchte das sie ihren Ehemann vergiftet hätte. Was jedoch nur Gerüchte waren. Schon im nächsten Frühjahr wurde Auguste Charlotte die alleinige Besitzerin, sie kaufte den schwesterlichen Anteil von Marianne Amalie von Schoenberg ab. Sie zeigte Lebensmut, obwohl sie als junge Witwe mit drei kleinen Kindern allein war. Bereits im Herbst 1802 wurde sie die Gemahlin des mit ihr gleichaltrigen Grafen Ferdinand von Kielmannsegge. Sie hatte ihn in Leipzig kennen gelernt, wo er sich Universitätsstudien widmete. Er war Rittmeister im Hannoverschen Regiment des Garde Corps. Die Liebe die beide zusammengeführt hatte ,wurde jedoch von den politischen Einstellungen der damaligen Zeit zerstört. Ferdinand von Kielmannsegge hatte, wie seine Brüder , schon 1792,1793 und 1794, an den Feldzügen gegen Frankreich teilgenommen. Im zweiten Jahr seiner Ehe zog er wieder gegen die Franzosen. Die folgenden Jahre wohnten sie in Dresden Schmochtitz und Hermsdorf. Es wurde die Tochter Natalie und ein Jahr später der Sohn Alfred August Ferdinand geboren. Der Graf suchte mit vielen Mitstreitern das Feuer der Befreiung des Vaterlandes zu verbreiten. Die Gräfin aber, als Tochter eines kurfürstlich sächsischen Hausmarschalls, hielt treu zur sächsisch – französischen Politik und verschloss sich den nationalen Ideen. Sie schloss sich der Herzogin von Kurland an, die nahe Beziehungen zu der Pariser Gesellschaft hatte. Sie wurde eine glühende Verehrerin von Napoleon. Dieser Einfluss trennte Auguste Charlotte immer mehr von ihrem Gatten. Während der Graf sich an Unternehmungen gegen Napoleon beteiligte, folgte die Gräfin mit ihren Kindern einer Einladung der Herzogin von Kurland an den kaiserlichen Hof nach Paris. Als Verschwörer gegen Frankreich wurde der Graf in Bremen verhaftet. Obwohl Auguste Charlotte und ihr Ehemann politische Gegensätze waren, nutzte sie die erste Privataudienz bei Napoleon um für die Freilassung ihres Mannes, der Vater ihrer Kinder, zu bitten. Graf Kielmannsegge wurde wirklich aus der Haft entlassen. Sie aber blieb an des Kaisers Hofe, „in ihrer Heimat“, wie sie schwärmerisch bekennt. Erst 1810 reiste sie nach Sachsen zurück, da Graf Kielmannsegge sie und die Kinder zu sehen wünschte. Es kam weder zur Einigung noch zur vollständigen Trennung, wohl aber zu heftigen Auseinandersetzungen. Sie reiste 1811 wieder nach Paris. Als 1813 der Ausbruch des Krieges mit Deutschland bevorstand, riet ihr Napoleon die Rückkehr auf ihre Güter. Nun führte sie mit Graf Kielmannsegge einen langen Kampf um die Auslieferung ihrer Kinder. In Schmochtitz erlebte sie die Schlacht bei Bautzen. Hier begegnete sie den franz. Oberst Letellier und bei einer Aufwartung im Marcolinischen Palais in Dresden Napoleon. Henry Letellier war es, von dem sie später einen Sohn empfing. Über diese Zeit erzählte sie „In Spremberg und Dürrhennersdorf erließ ich den sich schwer erholenden Gemeinden die mir seit Jahren schuldig gebliebenen Abgaben. Sie hatten die einzig übriggebliebene Ziege der Umgegend zum Mittagsmahl für mich aufbewahrt. Unsere Armut war derart, dass ich nur zweimal in der Woche mir erlauben durfte, Fleischspeisen zu genießen. Als die Gräfin erfuhr das Napoleon von Elba zurückgekehrt war ,hoffte sie das er seine Macht wiedererlangte. Aber wir wissen ja, dass es ihm nicht gelang. Am liebsten wäre sie dem Kaiser nach Sankt Helena gefolgt. Napoleon bat sie, sich der Familie Jérômes anzunehmen. Das tat sie, so gut sie es konnte. Die Verbindung mit anderen Napoleon Anhängern hielt sie aufrecht. Als sie Jèrôme und Katharina in Schönau besuchen wollte, wurde sie verhaftet. 1818 wurde endlich die Scheidung vom Grafen Kielmannsegge ausgesprochen. Außer den Beziehungen zum Feinde (Frankreich unter Napoleon) konnte ihr Untreue vorgeworfen werden. Nach einer Legende, die immer noch erzählt wird, zeugten Napoleon und die Gräfin von Kielmannsegge einen Sohn. Er wurde am 06. September 1816 in Schmochtitz geboren und am 07. September in Kamenz getauft. Darüber schreibt Oskar Schwär in unserer Chronik „ Ihr Söhnchen , Le petit Henri, Heinrich Schönberg, trug den Vornahmen seines Vaters, des französischen Offiziers Henri Letellier, dem sie ihre leidenschaftliche Liebe geschenkt hatte. Dieser Carl Heinrich Schönberg ,in dem die Leute einen Sohn Napoleons vermuteten, erlernte ein Handwerk. So war das Geheimnis seiner Herkunft am leichtesten zu wahren. Der Förster Lodemann in Dürrhennersdorf zog ihn auf als einen Knaben, der der Gräfin von ihr unbekannten Eltern anvertraut worden sei. Heinrich arbeitete als Böttcher wohl meist auf dem Hofe; denn die Dürrhennersdorfer hießen ihn nur den Hofe-Heinrich. Lang, dunkeläugig war er. Die Leute wußten aber nichts von Letellier, dessen Ebenbild er war. Sie blieben dabei, er wäre ein Sohn des französischen Kaisers. Nach dem Tode der Mutter erhielt er ein Pflichtteil von 10 000 Talern.“ Er heiratete am 25. Oktober 1863 die Johanne Rahel geb. Michel aus Prachenau bei Reichenbach. Die Ehe blieb kinderlos. Er zog nach Ebersbach wo er am 17. März 1870 starb. Das Geheimnis des Vaters blieb jedoch im Dunkeln. Schon 1821 war die Gräfin in die Oberlausitz gereist, um den Verkauf ihres Grundeigentums zu beginnen. So verkaufte sie Spremberg und Neusalza an den Geheimen Finanzrat von Reibold. Dürrhennersdorf kam erst zum Verkauf, nachdem sie 1829 die Herrschaft Pöring in Bayern erworben hatte. Aus diesem Grunde wurde ein Hauptanschlag gemacht. Dieses Rechnungswerk gibt ein anschauliches Bild von der damaligen Beschaffenheit unseres Rittergutes. Es fängt an mit einer Beschreibung .Das Rittergut Dürrhennersdorf, zu welchem das Dorf Neu-Schoenberg gehört………. Es wird die gesamte Rittergutsflur aufgezählt. Auch sämtliche Gebäude werden in Größe und Zustand beschrieben. So wird der wahre Wert des Gutes mit 118 934 Talern angesetzt. Als Vorrechte des Gutes , „dieselben , welche einem jeden Rittergute in der Oberlausitz zustehen“, werden genannt:- die Ober- und Untergerichtsbarkeit- das Jus patronatus bei Besetzung der Pfarre und Schule- die hohe, mittlere und niedere Jagd- die Dienstbarkeit der Untertanen, „wie solche in dem errichteten und unterm 22. Mart. 1794 confirmierten Urbario festgesetzt worden ist“. Es war das letzte Mal, dass diese Dienstbarkeit der Untertanen in Dürrhennersdorf verkauft wurde. 1830 kauften gemeinschaftlich das Rittergut Dürrhennersdorf Johann Friedrich von Göttlich auf Strawalde und Fabrikant Karl Gottfried Jeremias aus Ebersbach. Zwar hatte der eine den Adelstitel, aber erst sein Vater, der Brauer war, hatte ihn erhalten, als er 1818 das Allodialrittergut (Als Allodialgut wird auch das Privatvermögen einer fürstlichen Familie im Unterschied zum fiskalischen Besitz, Lehen, Staatsdomäne bezeichnet.) Nieder-Strahwalde erwarb. Und Jeremias war Fabrikant. In Ebersbach stand sein Weberhaus, darin er mit seiner Frau Rahele, einer geborenen Freude, zunächst gewebt, dann Arbeit ausgegeben und den verkauf der Leinewand betrieben hatte. Jeremias hatte unter anderem auch Ober und Niederkottmarsdorf gekauft. Er kam mit dem ganzen Dorf immer gut aus, obwohl er auch nicht in Dürrhennersdorf, sondern in Kottmarsdorf wohnte. Die Gerichtsherrschaft Johann Friedrich von Göttlich und Karl Gottfried Jeremias schloß die Kauf- und Pachtverträge mit Dürrhennersdorfern und Neuschönbergern noch in derselben Form ab, wie es früher geschehen war. Der Gerichtsdirektor war Carl Ernst Häntzschel, der bei allen wichtigen Regelungen mitwirkte. Die Rittergutsbesitzer wurden in Dürrhennersdorf durch den Förster Jeremias vertreten, der im Hauptgebäude wohnte. Die Gemeindeältesten waren von der Gerichtsherrschaft,den Rittergutsbesitzern ,ganz abhängig gewesen. Das Recht der Selbstverwaltung erlangten die Landgemeinden erst durch die Landgemeindeordnung vom 07. Juli 1838 zurück. In einer Versammlung im Kretscham wurde den Dürrhennersdorfern diese Landgemeindeordnung bekannt gegeben. Das war am 10. März 1839. Der Gemeinderat sollte bestehen aus dem Vorstand, zwei Gemeindeältesten ( ein Bauer, ein Häusler) und zwölf Ausschußpersonen ( zwei aus dem Bauernstande, drei Gärtner, fünf Häusler und zwei Unangesetzte ). Die Amtsdauer betrug sechs Jahre. Nach zwei Jahren schied immer ein Drittel der Gemeinderatsmitglieder aus. Nach dem ausscheiden dieses Drittels, nach zwei Jahren, mussten diese neu gewählt werden. Der 08.April 1839 war der Tag der ersten Wahl. Das Wählerverzeichnis trug folgende Unterschriften: Carl Ernst Häntzschel, Gerichtsdirektor Andreas Nohke, Richter Johann Gottlob Heinrich Gottfried Matthes Gottlob Mauksch Gerichtsschöppen: Christian Friedrich Pursche Johann Gottlob Israel Der Großbauer Christian Friedrich Pursche und der Häusler Johann Gottlob Israel wirkten als Wahlhelfer. Die Auszählung der Stimmen erfolgte am Nachmittag des 08. und am 9 April statt. Es waren als „Commune – Ausschußpersonen“ gewählt worden. Die Bauerngutsbesitzer Gottlob Mücklisch Nr. 24 und Gottlob Mauksch Nr. 126. Als Vertreter der Gärtner C. Friedrich Jäckel, Gottfried Matthes und Johann Christian Paul. Die fünf Häusler die gewählt wurden, waren Johann Christian Pursche, Gottfried Israel, Christian Gottlieb Paul, Christian Pursche und Christian Friedrich Sauermann. Die gewählten zwei Einwohner Carl Gottlob Rößler und Christian Friedrich Matthes. Unter dem Gemeindevorstand Christian Gotthelf Israel begannen nun diese Männer die Geschicke unserer Gemeinde zu leiten. Der erste Gemeinderat. 1841 kaufte Karl Gottfried Jeremias die Anteile am Rittergut Dürrhennersdorf von Johann Friedrich von Göttlich ab. Nun war er alleiniger Besitzer des Rittergutes. Nach dessen Tod erbte sein Sohn Heinrich Gustav Jeremias 3/28 und kaufte 1860 die restlichen 25/28 des Gutes dazu. Heinrich Gustav Jeremias baute seinen Hof aus. Es entstand der neue Pferdestall mit den schönen Granitsäulen. Die eingemeißelte Jahreszahl 1853 kann man heute noch sehen. Das Hauptgebäude wurde verlängert, Kuh und Schweinestall bedeutend erweitert. Altes Fachwerk, Schindel und Strohdach verschwanden ganz. Die hintere Scheune und der Schafstall bildeten nun ein großes massives, ziegelgedecktes Gebäude. Auch der Garten hinter dem Herrenhaus, der Park wie wir ihn heute kennen, erfuhr eine Umgestaltung. Einige hohe Eichen mussten gefällt werden. Die Beseitigung weiterer alten Bäume ließ aber die Frau von Gustav Jeremias nicht zu. Amalie Auguste eine geborene Fickler wollte die schöne schlichte Anlage von mächtigen Linden und Kastanien bewahren. Die alte Brennerei wurde weggerissen. An ihrer Stelle blühten nun Blumen und Sträucher, ein Garten entstand. Ein alter Keller war noch lange erhalten. Jetzt steht dort der alte Steintisch aus dem Park und eine Bank die zum verweilen einlädt. An der Dorfstraße, wo bisher ein Kegelschub gewesen war, ließ Gustav Jeremias die Parkmauer errichten. Ein schmaler Auestreifen blieb außerhalb liegen. Gegenüber dem Haupttor ließ er den Gasthof erbauen. Das Gebäude war klein, es hatte nur einen kurzen Saal, in dem aber doch Tanzmusik und Theateraufführungen veranstaltet werden konnten. Der erste Wirt hieß Karl August Nohke, sein Nachfolger Rönsch und dann Paul Schöbel aus Wehlen in der Sächsischen Schweiz. Paul Schöbel kam mit seiner Frau Martha die aus Dresden stammte zu uns nach Dürrhennersdorf. Der Wirt mußte immer zugleich Fleischer sein. Als er 1955 starb, wurde die Gaststätte für immer geschlossen. 1956, zur 650 Jahrfeier, war im Saal eine Ausstellung über die Geschichte unseres Ortes zu bestaunen. Ab 1957 wurde im Saal durch die Gemeinde, unser Kino eingebaut. Die Finanzierung dieses Umbaus wurde durch den Erlös aus der 650 Jahrfeier 1956 ermöglicht. Die Bestuhlung waren die alten Klappsessel aus dem Ebersbacher Kino. Die Fleischerei pachtete Herbert Kohlmann. Er war bis 1970 der Fleischer im Ort. Danach übernahm die Fleischerei die Konsum Genossenschaft. Die Verkaufstelle leitete zuerst Traudel Altmann.Von 1989 an bis zur Schließung 1991 war Frank Rabowsky der Filialleiter. Er ist ein Enkel von Paul Schöbel. Im Gastraum war in den 60-iger Jahren die Bauerstube der LPG. Auch wurden Versammlungen dort abgehalten und später wurde dort das Essen für die Hortkinder ausgegeben. Im linken Teil des Gebäudes, wo sich die zwei Wohnungen befanden, war kurze Zeit in den 90-iger Jahren auch ein Schuhladen von Frau Klein. Gleich nach der Wende 1993 kaufte Frank Zugwurst den Gasthof. Er modernisierte das Gebäude ab 1994 mit viel Aufwand. So ist heute die Fleischerei Zugwurst nicht nur bei uns in Dürrhennersdorf bekannt, sondern die Kunden kommen aus vielen Orten zu uns. Aber bis es soweit war kehren wir ins Jahr 1883 zurück. Am 21.Mai 1883 war Heinrich Gustav Jeremias gestorben. Als es nach kurzer Zeit dem Sohn Arthur Jeremias gelang, seine Schwester auszuzahlen, übernahm er mit 25 Jahren das Rittergut. Er war hier am 19. November 1858 geboren. Mit seiner Frau Helene eine geborene Klemm, der Tochter eines Leipziger Baumeisters, führte er drei Jahrzehnte hindurch das Rittergut. Die neue Zeit der Industrialisierung des Landes brachte viele Erneuerungen mit sich, die der landwirtschaftliche Großbetrieb bisher nicht gekannt hatte. Die Leute strömten in die Fabriken, und es fehlte den Gütern an Arbeitskräften. Auch nach Dürrhennersdorf wurden darum jährlich fremde Arbeiter geholt; sie kamen aus Brandenburg und aus Polen. Es wurden auch für die Landwirtschaft vielerlei Maschinen erfunden, aber nur wer die Mittel hatte, in großzügiger Weise einzuführen, konnte die Neuerungen ihren Nutzen wahrnehmen; Zeit – und Kraftersparnis und gründlichere Ausnutzung des Bodens. Das Verhältnis zwischen Gutsherr und Gesinde lockerte sich immer mehr, wie es später auch in den Industriebetrieben wurde, und dieses Schwinden des Gemeinschaftsgefühls wirkte sich überall nachteilig aus. Nun kannte in Dürrhennersdorf jedermann den „Herrn“ und die „Herrnfrau“ als gütige Menschen, es gab auch „Hofleute“, die ihnen in alter Treue dienten, doch die Heranziehung der Fremden und der Mode gewordene Stellenwechsel des Gesindes zeigten auch hier schädliche Folgen, wo doch gerade jede Kraft sich hätte ganz einsetzen müssen, um die Lage des Besitzers zu erleichtern! Arthur Jeremias vergrößerte zunächst den Gasthof auf die heutige Größe, da der Saal bei Tanz und Theaterabende nicht mehr genügte. Es wurde dabei auch zwei Wohnungen gewonnen, die für den Vogt und die für den Förster. Der Förster hatte, seit die Herrschaft, die Räume am Ende des Stall- und Scheunengebäudes (am hinteren Tore) innegehabt. Dort richtete Jeremias nun die Käserei ein und unter der Wohnung des Käsers die Gesindestube. Neue Schweineställe und eine neue Scheune entstanden. Schließlich bekam der Hof einen schöneren Abschluss an der Dorfstraße. Rechts vom Haupttor war noch immer ein Teich, der aber mehr einem Sumpf ähnlich sah. An seiner Stelle erbaute der „Herr“ den bis ans Tor reichenden Schuppen mit Rundmauer (Rundteil). Er hätte sicher noch manche Veränderung getroffen, die dem Gutsbetriebe zum Nutzen gewesen wäre und das Bild verschönert hätte. Da brach das Unglück über ihn herein. Er verlor auf einen anderen Gute 75000 Mark, auf wieder einem anderen 11000 Mark. Dazu erlitt er schweren Hagelschaden. In dem Prozesse, den er wegen des großen Geldverlusts führte, wurde er falsch beraten. Das kostete zwar dem betreffenden Rechtsanwalt die Praxis, aber Jeremias hatte nur neue Einbuße. Von seinen schweren Schlägen konnte er sich bei strengster Sparsamkeit und angestrengtester Arbeit nicht erholen. Es blieb ihm nichts übrig, als einen Teil des Grundbesitzes zu verkaufen. Nachdem er den Frau - Mutter - Busch hatte abschlagen lassen, um die Fläche als Weide zu nutzen, entschloss er sich, den Wald auf dem Kuhberg und den Hutberge zum Rittergut abzutrennen. Die Stadt Zittau wollte ihn erwerben. Sie wurde aber mit Jeremias über den Preis nicht einig. Unterdes hatten in Löbau die Stadträte Schönbach und Friedrich den Ankauf der beiden Berge empfohlen. Die Zittauer erfuhren, dass der Löbauer Stadtrat auf einer Sitzung darüber beriet, und wollten nun doch noch zugreifen, kamen aber zu spät. Löbau hatte die Erwerbung beschlossen. Der Preis war 127818 Mark. Das brachte für Jeremias eine Erleichterung, hielt aber den Verfall nicht auf.Deshalb verkaufte er das Rittergut. Im Oktober 1911 konnte Rudolph Rothe sehr billig in den Besitz des Rittergutes gelangen. Arthur Jeremias zog mit seiner Familie nach Löbau und übernahm eine Viehhandelsvertretung, die seine Existenz sicherte. Aber das Schicksal verfolgte ihn weiter. Beide Söhne, Werner und Gustav, zogen in den I. Weltkrieg. Werner als Artillerist, Gustav als Trainsoldat. Beide erhielten das Eiserne Kreuz. Die Freude darüber wurde durch neue Sorgen um Werners Gesundheit zerstört. Er hatte sich eine eine gefährliche Erkrankung des Knies zugezogen, und aller ärztlichen Kunst gelang es nicht, eine Besserung herbeizuführen . Gustav kehrte gesund nach Löbau zurück, um hier vom tückischen Tod erreicht zu werden. Er hatte dem Vater bei der Arbeit auf dem Heuboden geholfen, lehnte sich ausruhend ans Geländer und stürzte ab. Der gesunde Sohn, den die Eltern nach dem Kriege ein zweites mal geschenkt erhalten zu haben meinten, war ihnen am 07.Dezember 1919 jäh entrissen worden! Der Bruder Werner ertrug in Bethel bei Bielefeld noch zwei Jahre hindurch die Qualen seines Kriegsleidens und wurde am 09. Dezember 1921 davon erlöst. Nur einen Monat später starb auch seine Frau. Es blieb ihm allein noch die Tochter Dora. Mit 75 Jahren sah er sich gezwungen, das Gewerbe zu wechsel, da der Viehhandel ihn nicht mehr nähren konnte. Seitdem betrieb er ein Fuhrgeschäft. Aber zurück zu Rudolph Rothe der 1911 das Rittergut erwarb. Er starb bereits 1913, zwei Jahre darauf. Nun erbte dessen Sohn Rudolf Rothe das Gut. Zu beginn des I. Weltkrieges 1914 erwarb es der Landwirt Gustav Glaser. Der es im Juni 1917 an Kommerzienrat Arno Hoffmann verkaufte, aber weiterhin das Gut als Pächter verwaltete. Kommerzienrat Arno Hoffmann war ein Fabrikant aus Neugersdorf. Sein Altvorderer Carl Gottlieb Hoffmann hatte in Neugersdorf den Grundstein für die Textilfabrik C.G.Hoffmann gelegt. Der Textilunternehmer Carl Gottlieb erwarb 1809 ein um 1800 errichtetes Umgebindehaus und errichtete in den Folgejahren weitere Fabrikgebäude um es herum. Frühzeitig setzte er auf die Mechanisierung : 1834 stellte er Bandwebstühle auf. 1855 folgten zwei liegende Dampfmaschinen , es waren in Sachsen die Ersten, und 1862 die ersten mechanischen Webstühle. Das Unternehmen entwickelte sich mit seinen rund 2000 Beschäftigten zum ersten Großbetrieb der Oberlausitz. Zahlreiche Arbeiter kamen auch aus dem benachbarten Böhmen. In diesem Sinne führte Arno Hoffmann das Unternehmen weiter. Er unterstützte unter anderem mit zahlreichen Spenden den Bau und Erhalt der Neugersdorfer Hütte beim Alpenverein. Auch beim Aufbau des Neugersdorfer Bismarck Turm war er ein großer Unterstützer. Die Firma C.G.Hoffmann war auch für die damalige Zeit sehr Sozial eingestellt. Für seine Beschäftigten gab es eine eigene Krankenversicherung. Nach dem Tod des Kommerzienrates Hoffmann erbte dessen Frau Luise Hoffmann im Mai 1918 das Gut, die es baulich und wirtschaftlich verbesserte. Seit dem 14. Oktober 1928 war Martin Erich Schubert, ein Neffe der Frau Kommerzienrat Hoffmann Besitzer des Rittergutes: Martin Erich Schubert wurde am 22.09.1894 in Rodewisch – Untergöltzsch in Sachsen als Sohn des Pfarrers Martin Schuber geboren. Er besuchte das Gymnasium in Zwickau, studierte kurze Zeit in Genf. Im I. Weltkrieg wurde er zu einem Feldartillerie – Regiment einberufen. Mai 1919 wurde er als Oberleutnant aus dem Militärdienst entlassen. Nun begann er seine landwirtschaftliche Ausbildung als Scholar in Trünzig. Zuletzt war er in Gailsdorf als Inspektor tätig. Am 01.07. 1923 übernahm er die Bewirtschaftung des Rittergutes in Dürrhennersdorf zunächst als Pächter und nach dem Tode seiner Tante Hede Hoffmann am 14. 10.1928 als Eigentümer. Mit sehr viel Geschick, Sachverstand und Energie hatte Erich Schubert trotz des schwierigen Anfangs während der Inflation das Gut bald wieder zu einem leistungsfähigen Musterbetrieb entwickelt. Dabei hat ihn seine Frau Theodora Schubert, geb. Quaas, tatkräftig unterstützt. Sie heirateten am 05.03. 1922 in Dresden. Der Betrieb wurde bald nach der Übernahme zur Saatgut - Vermehrung, zur Lieferung von Vorzugsmilch und zur Ausbildung männlicher und weiblicher Lehrlinge von der Landwirtschaftskammer anerkannt. Im der „Oberlausitzer Dorfzeitung und Tageblatt“ in der Neugersdorfer Ausgabe vom 13. Juli 1927 stand eine Annonce des Dürrhennersdorfer Rittergutes. „Geschäfts-Eröffnung Am 15.Juli wird in Neugersdorf, Ecke Fünfhäuserweg und Rosenstraße, ein Spezialgeschäft für Molkereiprodukte, Eier und Geflügel eröffnet. Rittergut Dürrhennersdorf“. Martin Erich Schubert´s Sachverstand und sein Einsatz für den Berufsstand fanden Anerkennung durch die Übertragung vieler Ehrenämter. Er war Mitbegründer des Versuchsringes, war unter anderem Vorsitzender der Vorzugsmilcherzeuger im Kreis Löbau, Vorstandsmitglied der Maschinenzentrale und Vorsitzender der Zentralmolkerei Löbau. Er war führend in der örtlichen Feuerwehr und war lange Zeit als Stellvertreter des Bürgermeisters und kurze Zeit sogar als Bürgermeister tätig, ohne jemals einer Partei angehört zu haben. Auch war er Vorsitzender des Kirchenvorstandes von Dürrhennersdorf. Im II. Weltkrieg musste er als Offizier wieder Dienst leisten. Zeitweise leitete er das Wehrkreiskommando Rumburg. Da er sich in dieser Zeit nicht mehr ausreichend um die Bewirtschaftung des Hofes kümmern konnte, musste er den Hof vorübergehend an Emil Peuckert verpachten. Als dieser Ende 1944 verstarb, übernahm er den Hof wieder in Eigenbewirtschaftung. In den letzten Wochen des II. Weltkriege wurde durch die Instandsetzungsabteilung der SS Fallschirm – Division Hermann Göring ein Panzerreparatur – Stützpunkt, für kurze Zeit, auf dem Rittergut eingerichtet. Auf Grund der Bodenreformverordnung vom 10.09.1945 begangen in Sachsen die Enteignungen. Dies betraf auch Erich Schubert und seine Familie. Sein hohes Ansehen und seine große Hilfsbereitschaft für Andere gehen auch aus der Tatsache hervor, dass die Mitarbeiter des Hofes und die Vertriebenen ( Flüchtlinge , Umsiedler und Vertriebenen aus Ost Preußen, Schlesien und dem Sudetengau ), die zunächst auf dem Hof untergekommen waren und später eine Siedlerstelle vom Gut abbekommen sollten, ihn baten den Hof weiter zu bewirtschaften wie bisher. Fürsprecher von ihm und der Familie fuhren nach Dresden. Aber es hatte nichts geholfen, wie so viele Deutsche, musste auch die Familie Schubert beraubt ihres Eigentums, der Heimat, ohne Hab und Gut, kurz vor Weihnachten 1945 binnen 24 Stunden Dürrhennersdorf verlassen. In der Nacht vom 20.12. zum 21.12.1945 verließ Familie Schubert Dürrhennersdorf. Das Schicksal dieser Menschen und der Vertriebenen muss uns heute noch berühren. Manchmal denunziert, zu Unrecht beschuldigt, einfach vom „Sieger“ von Haus, Hof, Gut vertrieben, kann man sich das heute noch vorstellen? Ein Mensch, der unser Dorf mit geformt hat, Martin Erich Schubert, ist am 06.Mai 1968 in Garßen bei Celle in Niedersachsen gestorben, ohne noch einmal sein geliebtes Dürrhennersdorf wiedergesehen zu haben. Auf Anordnung des russischen Kommandanten, der in der Kommandantur in Großschweidnitz seinen Sitz hatte, musste unser damalige Bürgermeister Richard Müllrich das Gesamtbild des Hofes verändern. So wurde der schöne Mittelbau mit Turmuhr und Glocke weggerissen. Der Deich zwischen dem Hof und der Gärtnerei Günzel wurde zugeschüttet. Das Rittergut umfasste eine Gesamtfläche von 133,33 ha, davon waren 4 ha Wald. Von da ab übernahm die Ortsbodenkommission ( sie nannte sich auch Ortslenkungskommission ) die Verantwortung über das enteignete Gut. Als Mitglieder der Ortsbodenkommission waren unter anderem tätig : Max Marschner, Robert Röthig, Reinhold Weber. Der Boden wurde nun an Landarbeiter, Umsiedler und Vertriebene verteilt. Das Waldstück unterhalb des Hutberges zum Bahnhof hin wurde als Bauland an den Rat der Gemeinde vergeben. Der neue Friedhof und der spätere Kinderspielplatz gingen ebenfalls aus der Bodenreform hervor. Das Gelände der jetzigen Deiche ( ehemals das sogenannte „Alfred Schebitz Bad ) am Fuße des Kuhberges wurde für Kleingärten zur Verfügung gestellt. Auch vor dem Gelände , wo sich heute die Silos befinden, waren gegenüber dem ehemaligen Spielplatz Kleingärten angelegt. Bis Ende Januar 1946 waren die ausgemessenen Landflächen von Neubauern übernommen worden. Etwa zu diesem Zeitpunkt wurde das vorhandene Nutz- und Zugvieh des ehemaligen Rittergutes an die Neubauern vergeben. Ebenso wurden Maschinen und Geräte verteilt. Der Wald unterhalb des Seidelberges wurde ebenfalls an die Neubauern verteilt. Die Landflächen der Neubauern betrug ungefähr 5 – 6 ha. Dazu kamen etwa 0,20 ha Wald, der ca. 20 Jahre alt war. Vorhandenes Getreide, daß nicht zur Frühjahrsbestellung benötigt wurde, erhielten die Neubauern. 116 Zentner Raps wurden abgeliefert und der Geldbetrag wurde als finanzielle Unterstützung an die Neubauern ausgezahlt. Die Frühjahrsbestellung erfolgte als Gemeinschaftsarbeit auf der Grundlage des Fruchtfolgeplan´s des ehemaligen Rittergutes. Die Pflege der Hackfrüchte, so die Futterrüben, fanden individuell statt. Die bestellten Flächen waren dazu furchenweise auf die Neubauern aufgeteilt worden. Die Ernte der gesamten Hackfrüchte, Kartoffeln und Rüben, wurden wieder individuel durchgeführt. Wobei sich die Neubauern gegenseitig mit Zugvieh, Wagen und Geräten unterstützten. So gab es bis Ende der Fünfziger Jahre immer Geräte , wie Sämaschine, Kartoffelschleuder oder die zum säen der Rüben benötigte Dibbelmaschine und der große Krauthobel der von Bauer zu Bauer weitergereicht wurde. Neubauernstellen wurden an folgende Personen vergeben: Ehemalige Landarbeiter: Adler Walter Bryla Stanislaus Körner Fritz Brocke Paul Diettrich Irma Polter Marie Vertriebene – Flüchtlinge – Umsiedler Günther Wilhelm Heller Ernst Kieslich Josef Menzel Reinhold Nixdorf Anna Stiller Paul Knoblich Karl Michael Paul Schwarz Gustav Weber Reinhold Weiler Bernard (Vater von Peter Weiler) und Scholze Walter. Die meisten Vertriebenen - Neubauern wohnten im ehemaligen Herrenhaus und in anderen Gebäuden. Es gab aber nicht in allen Räumen Kochmöglichkeiten. Deshalb baute Reinhold Günzel, ein alter Dürrhennersdorfer, in einigen Räumen Küchenöfen ein. 1948 wurde im Herrenhaus der Kindergarten eingerichtet. Die erste Kindergärtnerin bzw. Leiterin des Kindergarten war Ottilie Große,eine geborene Hille. Sie war die Schwiegertochter von Kurt Große, dem Kretscham Wirt. In den Jahren bis 1949 gingen die Neubauern dazu über, Wohn- und Nebengebäude zu bauen oder innerhalb des Rittergutskomplexes Um – und Aus – bauten vorzunehmen. Neubauten errichteten: Nixdorf und Scholze bauten die Siedlung aus gestampftem Lehm. Dittrich, Knoblich (später übernahm der Schwiegersohn Otto Joraslafsky die Siedlung ), Weber, Günther, Adler und Polter bauten die Siedlung alle massiv. Um – und Ausbauten nahmen vor: Bryla, Körner, Michael, Menzel ( später übernahm der Schwiegersohn Alfred Schebitz) , Stiller und Weiler. Aber nicht alle hielten die harte Arbeit als Neubauern durch. Einige hatten einen anderen Beruf als Bauer, aber nach dem Krieg sahen viele dies als Chance um neu anzufangen. Dazu musste die gesamte Familie und Freunde der Familie mit anpacken. Auch war Abgabensoll, die Verpflichtung zur Lieferung einer bestimmten Menge landwirtschaftlicher Produkte, immer schwerer zu erfüllen. So wurde die geplante Siedlung, von Schwarz Gustav, auf der Schönbacher Straße nicht gebaut. Er zog mit seiner Familie nach Ebersbach. Das Land seiner Neubauernstelle wurde auf andere Neubauern aufgeteilt, ist jedoch bis heute in Besitz der Familie Schwarz. Kurz nach dem Bau des Siedlungshauses von Adler Walter, auch auf der Schönbacher Straße, übernahm Richardt Sinkwitz die Siedlung. Bereits 1955 übernahm Albert Müller die Neubauernstelle von Bryla Stanislaus, der den Pferdestall ausgebaut hatte. 1956 kam die Familie Kurt Assmann nach Dürrhennersdorf und übernahm die Siedlung von Irma Diettrich. Auch übernahm 1956 Kurt Arlt die Siedlung von Scholz Walter. Er war es auch der damals die Pappeln am Feldweg zum Seidelberg anpflanzte. Er übergab seine Siedlung 1960 an Martha Pfaff und zog ins Oberdorf, wo er die Zumpe Mühle kaufte. Sie gehört noch heute seiner Tochter Maria Goltsche, die dort mit ihrer Familie wohnt. Die Bäckerei gehörte damals dem Bäcker Emil Nikol, der sie von 1956 bis 1960 an Erich Natschke als Bäcker verpachtet hatte. Er selbst war nach Cunewalde gezogen und betrieb dort eine Bäckerei, später sein Sohn und jetzt schon der Enkel. Natschke Erich betrieb nach seinem Wegzug eine Bäckerei in Bischdorf. Als Martha Pfaff altershalber aufhörte, übernahm Fritz Gutstein die Siedlung und zog kurz vor Weihnachten 1981 ins Haus. Er baute das Haus – und Stall langsam massiv aus und riss die Wände mit gestampften Lehm weg. Trotzdem blieb das Rittergut irgendwie immer noch das Zentrum im ländlichen Dorfleben. So wurde auch der Getreidedrusch im Ort zentral auf dem Hof organisiert. Es wurde ausgelost, wann jeder Hof zum Dreschen dran war. Mitten im Hof, Richtung Rundteil stand ein großer fahrbarer Dieselmotor. Von dort ging ein langer Transmissionsriemen (Bestehend aus einem flachen Band, ursprünglich meißt aus Leder, später aus Kunststoff oder Gummi. Sie laufen oft auf balligen Riemenscheiben und benötigen dann keine Querführung. ) zur Dreschmaschine die rechter Hand unter der Durchfahrt stand. Nun mussten die Bauern die dreschen wollten in der Mitte der Durchfahrt die Getreidegarben vom Wagen nach oben gabeln. Dort wurden sie dann weitergereicht und von oben in die Dreschmaschine befördert. Das ging dann den ganzen Tag bis spät in die Nacht. In den späteren Jahren kam die MTS direkt mit Traktoren und den Dreschmaschinen zu den Bauern und drosch in den Scheunen das Getreide. Auf die Bauern wurde insbesondere Ende der 1950er Jahre zunehmend ökonomischer wie psychologischer Druck ausgeübt, sich einer LPG anzuschließen. Die Einzelbauernwirtschaften wurden bei der Maschinenausleihe durch die Maschinen und Ausleihstationen (MAS), später Maschinen – Traktoren – Stationen MTS systematisch benachteiligt, so dass das Abgabensoll, die Verpflichtung zur Lieferung einer bestimmten Menge landwirtschaftlicher Produkte, immer schwerer zu erfüllen war. Bei uns war das die MTS in Großschweidnitz ( Sachsenfreund ), Lawalde (jetzt Abfallwirtschaft ) und in Neusalza Spremberg ( Landmaschienenhandel Tischer ). Die MTS wurden dann 1964 aufgelöst und die Traktoristen und Maschinen auf die LPG´s verteilt. Die MTS Neusalza Spremberg bestand weiter und wurde in den Kreisbetrieb für Landtechnik umgewandelt. Zahlreiche Bauern sind nach der II. Parteikonferenz der SED 1952 bis zum Mauerbau 1961 aus der DDR geflohen, um nicht Mitglied einer LPG werden zu müssen. Ihre Betriebe wurden später nach Enteignung des Grund und Bodens in die LPG integriert. Am 1.Dezember 1959 schlossen sich die Einzelbauern, die auf dem Gelände des ehemaligen Gutes wohnten, zusammen und gründeten die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Typ I und gaben ihr den Namen „Oberlausitz“. Bis dahin wurden die Bauern immer wieder hartnäckig geworben. Ihnen wurde für den Eintritt in die LPG oft Einiges versprochen. So wurde die Wartezeit für ein Fernsehgerät oder auf ein Auto verkürzt. Der Fernsehempfang war in den 50‘er Jahren nicht so einfach wie heute. Das Fernsehsignal , VHF, musste aus Dresden empfangen werden. Die Antennen baute damals der Radiotechniker Otto Lelanz, dessen Familie in Neuschönberg im Haus bei Familie Fliegel Raimund wohnte. Einige Bauern, die nicht gleich aufgeschlossen für die LPG waren, wurden auch durch Flugblätter diskriminiert. So unter anderem die Landwirtschaft Paul, Böhmer und Bitterlich. Die LPG’s wurden in einer Gründungsversammlung errichtet, mussten sich ein Statut nach gesetzlich vorgeschriebenem Musterstatut geben und wurden durch staatliche Organe bestätigt. Mitglied einer LPG konnten nicht nur die Bauern mit eigener Wirtschaft werden, sondern auch Landarbeiter und andere Bürger. Es wurden zunächst drei verschiedene Typen von LPG gebildet (Typ I, Typ II und Typ III). Je nach Typ wurden von den Bauern dabei ihr Ackerland (I), dazu ihre Maschinen (II) und dazu der gesamte landwirtschaftliche Betrieb mit Vieh, Maschinen und Gebäuden (III) in die Genossenschaft eingebracht. Die Bauern mussten darüber hinaus Bargeld einbringen (Inventarbeitrag) . LPG des Typ III waren zunächst selten, weil es an ausreichend großen Stallungen mangelte. Viele LPG wandelten sich erst später, oftmals unter Druck von Partei und Staat vom Typ I oder II in den nunmehr dominierenden Typ III um. Als Vorsitzender wurde Herr Peter Weiler gewählt. Als Brigadiere waren Alfred Schebitz und Gustav Heder eingesetzt. Der LPG gehörten weiter als Mitglieder an: Fritz Körner Adalbert Müller Richard Sinkwitz Otto Joraslafsky Martha Pfaff Reinhold Weber Gerhard Friedrich Fast alle Mitglieder waren Neubauern, die sich hier durch die Bodenreform eine neue Existenz geschaffen hatten. Später traten der LPG Typ I „Oberlausitz“ folgende alteingesessene Bauern bei: Gerhard Maucksch Otto Hille Otto Rätze Alwin Pätzold Am 8. Januar 1960 beschlossen die Gemeindeverordneten der Gemeinde Dürrhennersdorf einstimmig, den Pachtvertrag mit der Weidegenossenschaft Oberfriedersdorf fristlos zu kündigen und die Nutzung der ca. 40 Hektar Weideland der LPG „Oberlausitz“ zu übertragen. Am 1. April 1960 wurden weitere LPG`s gegründet: LPG Typ I LPG Typ I LPG Typ I LPG Typ III „Am Seidelberg“ „Niederdorf“ „Neuschönberg“ „Aufbau“ Vorsitzender Gerhard Schneider Vorsitzender Gottfried Hiecke Vorsitzender Kurt Kutschmann Vorsitzender Martin John Damit war Dürrhennersdorf ein vollgenossenschaftliches Dorf mit 4 LPG`s Typ I und einer LPG Typ III. Diese Zersplitterung war kostenaufwendig und unrentabel. Deshalb fand am 01. Januar1962 der Zusammenschluß der vier LPG`s Typ I zur LPG Typ I „Weideland“ statt. Zum Vorsitzenden wurde Alfred Schebitz gewählt. Große Veränderungen begannen in den 70ger Jahren für das Rittergut. 1972 zog zuerst Paul Stiller mit seiner Familie zu seinen Sohn Horst, der schon seit Mitte der 50ger Jahre das Gut der Gebrüder Proft übernommen hatte. Wo die Familie Stiller Paul bisher wohnte, auf der Seite des Herrenhauses, wurde der erste Rinderstall eingebaut. Er war bis zum Schluß 1992 der Abkalbestall. Im Abkalbestall wurde keine Melkmaschine benötigt, und für das Entmisten wurde eine Kratzerkette eingebaut. Auch wurde in dieser Zeit die große Waage, auf dem Platz gegenüber dem Kindergarten, eingebaut. Später in den 90ger Jahren wurde sie auf die Schönbacher Straße, zur LPG-Halle umgesetzt. Die Umbauten im Rittergut gingen weiter. Im Sommer 1974 zog Peter Weiler mit seiner Familie in das Haus Haupstraße 48 das er gekauft hatte. Auch die Familien Gustav Heder und Wolfried Heder zogen in ihr neu erworbenes Haus Hauptstraße 20. Käthe Körner bezog eine Wohnung im Neubaublock auf der Straße des Friedens. Nur die Familien Adelbert Müller und Familie Manfred Müller wohnten noch bis 1981 im ehemaligen hinteren Pferdestall. Und kurze Zeit noch Niesel, der in der Baubrigade der LPG arbeitete, bis er dann in die BRD übersiedelte. In dem hinteren Gebäude wo jetzt noch der Stall der LPG ist, wurde ein Rinderstall eingebaut. Zur Entmistung wurde ein Forderlader benutzt. Ein Futterhaus wurde angebaut. Zur gleichen Zeit wurde das Gebäude der Familie Körner (Früher die Stellmacherei des Gutes) teilweise abgerissen und umgebaut. Dort war dann die Melkanlage, Sanitärräume und die Aufenthaltsräume der Beschäftigten eingebaut. Im Anschluss daran wurde ein weiterer Rinderstall, der zum entmisten eine Kratzerkette hatte, ausgebaut. Beide Rinderställe waren mit dem Milchhaus verbunden. Dahinter, Richtung der Gärtnerei Günzel, wurden die Güllegruben eingebaut. Einige Reste davon sind ja nun 2024, beim Bau des Löschwasser – Speichers (200 m²), wieder zu Tage gekommen. Unterhalb des Milchhauses wurde eine Werkstatt für Landtechnik neu gebaut. Die von Eberhard Künzel noch in den 90ger Jahren betrieben wurde. Der Gutshof war nun zu einem „großen Rinderstall“ im Ort geworden. Insgesamt waren bis zum Schluss 1992, zu Spitzenzeiten, bis zu 504 Kühe eingestellt. Nun weiter in der Geschichte um das Rittergut. Das Gesamtbild des Hofes hatte sich verändert. Am Eingangsbereich, gegenüber dem Gasthof, wurde der Eingang bzw. ein Teil der Hofmauer abgerissen. Die alte große Kastanie wurde gefällt. Auch die Einfahrt wurde verbreitert. Der dahinter liegende Garten wurde abgegraben und ein Parkplatz angelegt. Aber man wollte noch größere Ställe, was ja hier im Gutshof mitten im Ort nicht ging. So wurde am 16. Mai 1979 unmittelbar neben der Anfang der 70ger Jahre entstandenen Jungviehanlage Dürrhennersdorf der erste Spatenstich für eine weitere Milchviehanlage vollzogen. Gebaut wurde sie damals von der ZBO „Grundstein“ Kemnitz. Diese damals moderne Anlage am Hutberg, sollte dann 1930 Kühe aus den Kooperationen Dürrhennersdorf und Löbau West aufnehmen. Etwa 80 Frauen und Männer sollten ihren Arbeitsplatz dort finden. Aber nun weiter zum Hof. So berichtete die SZ am 13. Mai 1988, daß die Dürrhennersdorfer Ortsgruppe des VdgB, unter Vorsitz von Bertram Nater , eine Bauernstube und eine Nähstube im Rundteil des Gutshofes eingerichtet hatten. Die Bauernstube sollte fortan ein Raum für geselliges miteinander sein. Man dankte vor allem den Betrieben und Einrichtungen die dieses Bauvorhaben unterstützten. So berichtet die SZ weiter, daß Unterstützung vor allem durch die beiden LPGs der Pflanzen bzw. der Tierproduktion – mit entsprechenden Handwerksleistungen schon die halbe Miete war. Solche sind auch Tischlermeister Frohmut Kaden, der Ofensetzer Firma Marschner, den Ebersbacher Kollegen der PGH Dachdecker und Klempner, der PGH Keramik Löbau, dem Malermeister Rudi Mieth und nicht zuletzt dem VEB Oberlausitzer Möbelwerke Neugersdorf, der die Wandverkleidung zur Verfügung stellte, zu danken. Die Bewirtschaftung wurde von Angelika Mehlhose übernommen. Die diese Bauernstube viele Jahre betrieb. Als sie die Gaststätte schließlich schloss und nach einiger Zeit wegzog, stand sie viele Jahre leer. 2010 verkaufte sie das Rundteil an Maria Weber, die es dann als Wohnung ausbaute. 2012 zog sie ein. Auch baute zur gleichen Zeit 1987,1988 die Gemeinde neben dem Rundteil das neue Feuerwehrdepot, da das alte Spritzenhaus an der Friedenseiche zu klein geworden war. Das Neue entstand dort, wo sich jetzt unser Sitzungssaal der Gemeinde befindet. Es sollte anlässlich des 110 jährigen Jubiläums unserer Feuerwehr fertig werden. Es gab aber noch einen anderen Grund für den Ausbau des neuen Feuerwehrdepots. Unsere Feuerwehr sollte ein neues Feuerwehrauto bekommen, was nicht in das alte Spritzenhaus passen würde. Wie groß war die Enttäuschung der Kameraden der Dürrhennersdorfer – FFW als sie das alte Wehrauto, ein Robur, aus Obercunnersdorf bekamen. Zugelassen war er bereits schon am 04.11.1968. Das neue Feuerwehrauto wurde an Obercunnersdorf ausgeliefert. Anmerken muss man jedoch, das die Gemeinde selbst bei der Zuteilung kein Mitspracherecht hatte, ihr selbst aber auch keine Kosten entstanden. Nur für den Unterhalt musste die Gemeinde aufkommen. Das Fahrzeug wurde der Gemeinde durch den Kreis kostenlos zur Verfügung gestellt und blieb in Staats bzw. Volkseigentum. Aber am 07.Mai 1989 war es soweit, das neue Feuerwehrdepot wurde seiner Bestimmung übergeben. Das dies möglich wurde, war vor allem der Unterstützung der beiden LPGs der Tier- und Pflanzenproduktion zu danken. Weiterhin waren die ACZ Niedercunnersdorf, die PGHs Dachdecker und Klempner bzw. Elektro des VEB Kreisbaubetrieb daran beteiligt. Großen Dank galt auch den Handwerkern Frohmut Kaden und Klaus Riedel, sowie den Maurern der Feierabendbrigade dessen Brigadier Mario Reinsch war. Mit dem Ausbau verfügte die FFW nun nicht nur über eine Unterstellmöglichkeit für ihr Fahrzeug, sondern auch über einen zweiten Raum für die Lagerung der Ausrüstung. Insgesamt stellte das Feuerwehrdepot einen Wert von 70 000 DDR Mark dar. Auch die Kameraden der FFW hatten mit zahlreichen Arbeitsstunden mit dazu beigetragen. Als die aktivsten Helfer, die beim Bau die meisten Stunden leisteten, wurden die Kameraden Gottfried Jäger, Harald Neumann und Reiner Witschel ausgezeichnet. Aber auch ab Februar 1997 leisteten die Kammeraden der FFW weit über 550 Stunden am Ausbau des neuen Feuerwehrdepots auf der Schönbacher Straße wohin man Schrittweise umzog. Aber auch 1988 zog der Friseursalon für Damen und Herren der PGH „Figaro“ Ebersbach in das Rundteil. Im September 1964 fing Gisela Natschke als Friseuse in der ehemaligen Gaststube des Gasthofes ( jetzt Verkaufsraum der Fleischerei F.Zugwurst) an. Schon bald kam auch eine zweite Friseuse, Bärbel Dzschupke. Beide stammen ja aus Dürrhennersdorf. Nun zog bereits im Dezember 1964 der Friseursalon in die ehemaligen Bahnhofsgaststätte H.Maucksch. Vielen auch als Burg bei Kille Willy bekannt. Dort blieben sie bis zum Umzug 1988 in das Rundteil. Als Frau Dr.med. Barbara Andert, später Karch, die auch aus Dürrhennersdorf stammte 1986 in den Ruhestand ging, übernahm Frau Dr. Silvia Wunderlich bis Dezember 2021 die Arztpraxis. Diese Arzt und Schwesternstation wurde in knapp einer Bauzeit von 18 Monaten von 1975-1976 gebaut. Vor allem eine Rentnerbrigade nahm Schaufel und Maurerkelle in die Hand. Als dann nach der Wende in den 90ger Jahren die Gemeindeschwester Renate Hünlich aufhörte war kurz der Pflegedienst in den Räumen der Gemeindeschwester. Danach zog der Friseursalon der PGH Figaro in diese Räume, wo sie heute noch sind. Nach der Wende 1989/90 änderte sich in den Kommunen viel. So auch bei uns in Dürrhennersdorf. 1992 war dann Schluss mit der Rinderhaltung im Rittergut. Die Gebäude standen nun leer. Nur die Feuerwehr war noch in ihrem Depot. Der Kindergarten blieb weiterhin im ehemaligen Herrenhaus. Angelika Mehlhose, inzwischen Eigentümerin des Rundteils in der Bauernstube, und im hinteren Stall, jetzt Eigentum der neu gegründete Landwirtschaftliche Produktivgenossenschaft Dürrhennersdorf eG., hatten sie ihre Kalben stehen. Wie sollte es nun weitergehen. Der neue Gemeinderat und Bürgermeister Albrecht Gubsch machten sich von Anfang an Sorgen wie es mit dem Rittergut weitergehen sollte. Es war zwar nach der Wende nicht die einzige Baustelle im Ort, aber die Größte. Die Sorge war ja das der Hof weiter verfallen wird. Der Zustand war jetzt aus bautechnischer Sicht eine Gefahr. Schlimm war dabei, dass noch niemand ein so richtiges tragfähiges Konzept für das künftige Schicksal des Hofes hatte. Unmittelbar daneben war ja der Park. Er wurde ja regelmäßig vom Dorfclub genutzt und zahlreiche Tanzveranstaltungen im Jahr waren Höhepunkte in unserem Dorfleben. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse, wenig Eigenmittel der Gemeinde, ausbleibende Investoren, ausbleibende Entscheidungen der Treuhand konnten für Interessenten schon zum Hemmnis werden. Die Gemeinderäte sowie der Bürgermeister wollten das Dorfzentrum würdig gestalten. So recht kam am Anfang die Sache nicht voran. Wer will und kann schon ein solches Objekt wie das ehemalige Rittergut wieder aufpolieren. Umnutzen, abreißen oder neu aufbauen ist hier die Frage. Zumindest für einen Teil der noch brauchbaren Bausubstanz des Rittergutes gab es inzwischen Interessenten. So schrieb 1994 die Sächsische Zeitung, daß es noch keine Lösung für das Rittergut Dürrhennersdorf gab. Vorstellungen für ein Ortszentrum scheitern bisher am Grundstückerwerb. Ausbleibende Entscheidungen der Treuhand konnten so schon zum Hemmnis werden. Überlegungen wurden angestellt zu einer Umnutzung oder einem Abriss. Wünschenswert war auch der Erhalt alter Gebäudesubstanz aus denkmalpflegerischer Sicht. Nachdem die Gemeinde die Eigentumsverhältnisse geklärt hatte, wurden weitere Versuche unternommen, um eine Lösung zu finden. Am 01. Juni 1995 zog der Kindergarten in’s Schulgebäude um, da die Schließung unserer Schule abzusehen war. Fehlende Schulkinder und die neue Festlegung der Schulstandorte brachten das Ende. Aber dadurch war ein Neubau eines Kindergartens, den die Gemeinderäte schon diskutierte, hinfällig und das Schulgebäude hatte eine neu Nutzung. Es waren nur noch 4 Klassen in der Schule. Ab 1996 übernahm die AWO die Trägerschaft des Kindergartens. Nun war auch der Kindergarten aus dem Rittergut verschwunden. Einige Gebäude waren ja einigermaßen in Ordnung, andere wiederum waren stark sanierungs- oder abrissbedürftig. Abriss war aber ohne Weiteres nicht möglich, da der gesamte Komplex unter Denkmalschutz stand. Ein entsprechender Bebauungsplan musste erstellt werden. Vorher sollte eine gründliche Bestandsaufnahme erfolgen. Es wurde Kontakt mit zuständigen Leuten der Zittauer Hochschule aufgenommen. So kam es zu einem Vertrag für eine Zusammenarbeit einer Gruppe der Hochschule und unserer Gemeinde. Im April 2000 begann eine Seminargruppe aus Architekturstudenten im letzten Studienjahr mit den Arbeiten für diese Grundlagenermittlung. So wurde vermessen, fotografiert und gezeichnet. Sechs Studenten arbeiteten im Rahmen ihrer Diplomarbeit an dieser Aufgabe weiter. Das Ergebnis sollte Ende 2000 vorliegen. Inzwischen waren zehn ABM – Kräfte damit befasst, den Gebäudekomplex zu entrümpeln und zu entkernen. Am Wochenende dem 16. und 17. Juni 2001 war es dann soweit. Im Gutshof im ehemaligen Stall des Herrenhauses fand eine Ausstellung statt. Zukunftsvisionen für das ehemalige Rittergut Dürrhennersdorf. Die Studenten der Hochschule Zittau hatten unter fachlicher Begleitung von Professor Jos Tomlow eine Analyse für uns erstellt. Es entstanden 6 Diplomarbeiten, die die Perspektiven für den Gesamtkomplex aus städtebaulicher Sicht untersuchten. Die Visionen für das Rittergut reichten dabei von einem Musikcenter über einen Ökohof bis hin zu einem Handwerkerhof. Es sollte ein Art Dorfzentrum für Vereine und Einwohner entstehen. Was es ja auch wurde. Es musste auch ein Konsens mit dem Denkmalschutz für den teilweisen Abriss gefunden werden. 2002 beantragte die Gemeinde Fördermittel beim Amt für ländliche Neuordnung in Kamens. Mit dem Plan zur Schaffung eines Dorfgemeinschaftszentrums startete das Vorhaben 2003. Begleitet wurde das Projekt durch das Architekturbüro Augustin aus Löbau. Nach fast 10 Jahren näherte sich das größte Bauprojekt unserer Gemeinde im Dezember 2011 dem Ende zu. Das letzte Gebäude war der Um und Ausbau des alten Pferdestalls. Er wurde zum Bürger- und Vereinshaus umgebaut. Es umfasst einen Bürgerraum, den Arbeitsraum des Bürgermeisters und einen Versammlungsraum. Im Obergeschoss wurde die Bibliothek und ein Raum für sportliche Betätigung eingerichtet. Der Bürgerraum kann zu Familienfeiern oder zu Veranstaltungen genutzt werden. Es wurden dort Natursteinmauerwerk freigelegt und es entstand ein sehr schöner Raum. Der 75m² große ,ehemalige Stallraum wurde Ausstellungs- und Versammlungsraum . Vier Granitsäulen tragen die Gurtbögen der Gewölbekappen und gliedernden den eindrucksvollen Stallraum. Zwei große voll verglaste Türen im Westgiebel ermöglichen den direkten Zugang nach den Außenanlagen. Eine kleine offene Kaffeeküche und ein Sanitärbereich runden das ganze ab. Im Herrenhaus bzw. dem alten Kindergarten war ein Treffpunkt für unsere Jugend geschaffen worden. Im Obergeschoss sind Räume die von dem Dorfclub und dem Kaninchenzüchterverein genutzt werden. Im großen Saal werden jährlich durch den Verein der Kaninchenzüchter Vereinsrassekaninchenschau und die Ostsachenrammlerschau durchgeführt. Auch findet auf dem Gelände des Rittergutes sowie auch im Saal öfters ein Trödelmarkt statt. 2015 begannen die Freunde des Kaninchenzüchtervereins, unterstützt von Gemeinde und dem Landesverband Sächsischer Rassekaninchenzüchter e.V. sowie dem Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter e.V., das einzige Rassekaninchenmuseum in Deutschland einzurichten. Das sächsische Rassekaninchenmuseum Dürrhennersdorf wird ehrenamtlich geführt. Neu ist auch, das die Gemeinde seit 2024, wieder einen Weihnachtsmarkt auf dem Gelände des Rittergutes durchführt. So wurde die Mühe und das Bestreben der Bürger unseres Ortes belohnt und ein kulturelles Gemeindezentrum dem Ort erhalten und neu geschaffen.

Hartmut Klinger