Wie entstand unser Ort?


Dürhennersdorf entstand im 13. Jahrhundert als Waldhufendorf während der mittelalterlichen Besiedlung. Wie entstand unser Dorf Dürrhennersdorf? Um Genaueres darüber zu erzählen, muss man die Geschichte und die Entstehung der Oberlausitz betrachte. Im Jahre 1076 wurde der Gau Milsca, später Land Budissin, noch später Oberlausitz genannt, vom deutschen Kaiser Heinrich IV. dem Böhmenherzog Vratislaw zu Lehen gegeben. Heinrichs Schwiegersohn, Wiprecht von Groitzsch (gest. 1124 ), leitete eine Kolonisation ein, die sich etwa 200 Jahre hindurch fortsetzte. Sie wurde auch durch die böhmischen Könige, die 1158 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa als Lehnsherren des Burgwardes Sitzen (Seitschen ) bestätigt wurden, wohlwollend gefördert. Der ersten Periode werden Siedlungen zugewiesen, die deutlich spätslawische und frühkolonisatorische Merkmale tragen. Ursprüngliche slawische Weiler wurden zu gassen- oder platzartigen Dörfern ( Straßen- und Angerdörfern ) ausgebaut. Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts drangen von Westen und Nordwesten Siedelbauern ( Thüringer, Franken, Sachsen ) in die waldbedeckten Mittelgebirge vor. An der Spitze dieser Kolonistenzüge standen Lokatoren, deren Namen noch sehr oft in den heutigen Ortsnamen anklingen. Vor 1200 gab es keine deutschen Ortsnahmen. Die Dörfer wurden in lockerer Form als langgestreckte Reihendörfer entlang der Wasserläufe angelegt, die Flur in sogenannte Waldhufen aufgeteilt. Erst im späten Mittelalter wurde in der Talsohle der Raum zwischen den Bauernhöfen mit Häuschen der Handwerker, Weber und Tagelöhner bebaut, so dass heute die alten Waldhufendörfer mehr oder weniger dichtbesetzten Straßendörfern gleichen. Die Dorfformen sind nicht nationale, sondern wirtschaftliche Merkmale, abhängig vom Stand der Technik und von der Arbeitsweise. Aus der Kolonisationsepoche stammen sehr viele Steinburgen, meist in wichtiger Verkehrslage, die in ihrer ursprünglichen Form nirgends erhalten blieben. Ostkolonisation und feudale Machtentfaltung förderten eine schnelle und großzügige Stadtentwicklung. In den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts entstanden Kamenz (1213), Görlitz (1220), Löbau (1221), Weißenberg (1228) und Zittau (1230) als planmäßige, klar gegliederte Stadtanlagen. Auch Bautzen erhielt eine planmäßige Anlage und 1213 vom böhmischen König das Stadtrecht. Durch die Oberlausitz führten schon in dieser Zeit wichtige Straßen ( Hohe- oder Königsstraße, Böhmische Straße ). Wo sie die Flüsse querten, entstanden die Brückenstädte Königsbrück, Kamenz, Bautzen, Weißenberg, Görlitz, Lauban oder Löbau und Zittau, die sich bald zu wichtigen Handwerks- und Handelszentren entwickelten. Der König von Böhmen förderte diese Entwicklung, zumal er durch Verleihung wichtiger Privilegien, wie Markt- und Meilenrecht, städtische Gerichtsbarkeit, Münzrecht u.a., beachtliche Geldabgaben erhielt. Zu Klostergründungen kam es zwischen 1230 und 1248 in Kamenz, Panschwitz-Kuckau, Bautzen, Löbau, Görlitz, Ostritz-Marienthal und Zittau. Aus der Zeit der Spätromanik stammen die ersten steinernen Kirchenbauten, von denen heute nur noch wenige oder Bauteile erhalten sind. In der Lausitzer Grenzurkunde von 1241 wurden die Grenzen der nebeneinander liegenden königlich böhmischen und bischöflich meißnischen Burgwarde festgelegt. 1253 wurde die nördliche Oberlausitz mit Bautzen, Görlitz und Lauban an den Markgrafen von Brandenburg verpfändet. Ab 1268 bildete das Löbauer Wasser die Grenze zwischen dem Lande „ Budissin“ und „ Görlitz“. Das Land „ Zittau“ war unter Heinrich von Leipa fast reichsunmittelbar und bildete einen Pufferstaat zwischen Brandenburg und Böhmen. 1319 schloß sich das Land Budissin wieder an Böhmen an. Unter Karl IV. wurde die ganze Lausitz böhmisch. Unter diesem Herrscher, der von 1346 – 1378 als deutscher Kaiser regierte, gelangten die Oberlausitzer Städte zu Ansehen und Macht. Am 21.08.1346 verbündeten sich in Löbau die Oberlausitzer Städte Bautzen, Görlitz, Kamenz,Löbau, Lauban und Zittau zum Oberlausitzer Sechsstädtebund, der diese Städten zu einer bedeutenden Stellung während des ganzen Mittelalters verhalf. Aus dieser Zeit ist uns eine Urkunde ( Löbauer Stadtarchiv ) mit der ersten Erwähnung ( 01. Mai 1306 ) unseres Ortes Dürrhennersdorf überliefert. Diese wertvolle Handschrift gehört zu den Schätzen des Archivs der Stadt Löbau. Auf einem verhältnismäßig schmalen Pergamentstreifen sind zwölf Zeilen, aus äußerst winzigen lateinischen Kleinbuchstaben bestehend, niedergeschrieben. Mit feinem Gefühl für den rhythmischen Ablauf einer Handschrift hat sie der Schreiber auf das feste Pergament gebracht. Leider haben sich im Laufe der Jahrhunderte einige dunkle Flecken ergeben, so dass nun der Text nicht mehr vollständig erkennbar ist. An dem unteren Rand des Schriftstückes hängen die Reste von zwei braunen Wachssiegeln der brandenburgischen Markgrafen Otto und Woldemar. Sie war deshalb 1988 zur Restaurierung im Dresdner Staatsarchiv. Die Urkunde besagt, das die genannten Markgrafen dem Stadtgericht zu Löbau 20 Dörfer zusprechen, deren Einwohner von nun an verpflichtet seien, ihre Rechte bei der Stadt Löbau zu suchen. Ein besonderen Wert erhält die Urkunde dadurch, daß in dem lateinischen Text die Namen unserer Dörfer in ihrer alten deutschen Form auftreten. Die Übersetzung verdanken wir Herrn Studienrat Thum, aus Löbau. Der Text hat folgenden Wortlaut: „ Otto und Woldemar, von Gottes Gnaden Brandenburgische, der Lausitz und von Landsberg Markgrafen. Alle Gläubigen Christi, die die vorliegende Urkunde sehen oder hören werden, die Kenntnis der Unterzeichneten. Handlungen, die die Welt regelt, vernichtet oft der Fortgang der Zeiten, wenn sie nicht gesichert werden durch die Schrift. Deshalb wollen wir, daß bekannt sei allen Gläubigen Christi, den zeitgenössischen wie den späteren, daß wir den lieben Bürgern in Löbau zu besonderer Förderung, die wir ihnen widmen, und zur Bereicherung der Stadt mit vollem Recht die folgenden Dörfer zusprechen; nämlich Gherardesdorpp (Gersdorf), Eversbach (Ebersbach), Khotdmersdorpp (Kottmarsdorf), Heinrickesdorpp (Dürrhennersdorf), Sconenbuch (Schönbach), Lube (Laube), Levensvald (Lawalde), ambas Sweynicz (beide Schweinitz), ambas Conradersdorpp (beide Cunnersdorf), ambas Theesyn (beide Dehsa), Olsen (Oelsa), antiquam Lobaviam (Altlöbau), Dibesdorpp (Tiefendorf), Neechan (Nechen), Luchowe (Laucha), Uwer (Unwürde) und Georghewicz (Georgewitz). Damit aber hierüber in Zukunft bei niemand ein Zweifel entstehe, haben wir das vorliegende Schreiben zum Beweis gegeben und durch unsere Siegel im Anhang bekräftigt unter Hinzuziehung geeigneter Zeugen…………………. Verhandelt und gegeben in Löbau im Jahre des herrn 1306 am Tage der seligen Jungfrau Walburgis ( 1. Mai).“ Ein Blick auf die ältesten Rechtsverhältnisse erklärt den Sinn des markgräflichen Dekretes. Von Anfang an hat die Stadt Löbau einen Erbrichter gehabt, der mit den Gerichtsschöppen die niedere Gerichtsbarkeit verwaltete. Sein Wirkungsbereich ging jedoch nur bis an die Stadtgrenze. Die Obergerichtsbarkeit übte ein Landvogt aus, der seinen Sitz in Bautzen hatte. Wie sah nun unser Heimatdichter Oskar Schwär die Gründung unseres Heimatortes. In seiner Chronik „Lebensgeschichte eines Dorfes“ schrieb er; Ostlandfahrer gründeten Heinrichsdorf. Es war um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Auf der Hohen Straße, die aus dem Westen über Leipzig, Königsbrück, Bautzen nach Schlesien führte, näherte sich ein Zug bäuerlicher Menschen. Es waren zumeist junge Männer mit ihren Frauen und Kindern; nur wenige ältere darunter, in denen der Wanderdrang noch ein mal erwacht war, als die jungen Leute sich zur Fahrt nach dem Osten entschlossen. Die Pferde zogen schwerbeladene Wagen; denn die Auswanderer hatten ihre ganze Habe, Truhe und Schrank, Topf und Krug, Ackergerät und Handwerkszeug, dazu Vorräte und Saatgetreide mitgenommen. Rinder wurden zwischen den Wagen getrieben. Als wachsame Hut liefen Hunde vor oder hinter dem Zug. Als die Ostlandfahrer Budissin hinter sich hatten und auf der Alten Straße ihrem Ziele näherkamen, belebten sich die Züge der Ermüdeten. Aller Augen leuchteten erwartungsfroh: nun lag die letzte Tagesstrecke der langen Wanderung vor ihnen. Die Männer stimmten das Lied an, das sie an jedem Morgen auf der Landstraße hatten erschallen lassen: Nach Ostland wollen wir reiten, Nach Ostland wollen wir gehen, Wohl über die grüne Heide, Da ist ein bessres Stehn. Zwar in der alten Heimat, inThüringen, Hessen, Franken oder am Rhein konnte der Bauer sich eines behäbigenn Wohlstandes erfreuen; doch war schon eine Übervölkerung eingetreten, so dass viele junge, tathungrige Männer nicht aus eigener Kraft sich ein Leben gestalten konnten, sondern abhängig werden mußten, vom Bruder oder einem andern. Aus Eintracht wurde Zwietracht in manchem Hause, wie es seit Menschengedenken und allerorten ist, wenn Gleichgeborene nicht mehr das Gleiche von der Mutter Heimat fordern können. Da traf die Kunde, dass über der Elbe „Niemandsland“ zu besiedeln sei, wie eine frohe Botschaft. Als ein Werber eines Lausitzer Grundherrn erschien, erklärten sie sich zur Auswanderung bereit. Der Abschied fiel ihnen nicht schwer: ihre Herzen erfüllte ja eine schöne Hoffnung. Nun erreichte der Zug schon Kittelitz. Hier lenkte ihn der Führer auf die Straße, nach Böhmen zu, abzweigte. Die beiden Kuppen des Lobawschen Berges stiegen hoch auf. Rechts davon, wohl nur eine gute Meile weiter, dehnte sich quer ein mächtiger Berg. Nach ihm wies der Führer. Er nannte ihn den Kothmersberg. Von dieser Höhe flutete dunkelgrün der Markwald über die Nachbarberge und die Täler. Dorthin, ins unwirtliche Land hinein, sollten die Wanderer ziehen. Sie fürchteten die Wildnis nicht, auch nicht die Mühlsal, die ihnen bevorstand: sie würden ja auf der großen Erde nun ihren kleinen Teil finden, den sie zu ihrer neuen Heimat machen konnten. Dort ist ein bessres Stehn! Hinter der jungen Stadt Lobaw schlugen sie den Weg „ins Gebirge“ ein. Den Weg mußten sie aber bald wieder verlassen. Ein Pfad,den Jäger getreten hatten, leitete sie weiter. Nun mußten die Männer bald die Äxte gebrauchen. Langsam drangen sie an einem Qellbache des lobawschen Wassers vorwärts. Das Tal war zuerst breit. Dann wurde es eng. Das Wasser rauschte zwischen felsigem Gestein. Sie waren schon durch manche Hohle gezogen, aber in diesem Grunde, darin sich der Bach so wild gebärdete und darin sich kaum noch ein Weg bahnen ließ, kamen sie sich vor wie in einer Hölle. Glücklicherweise war die nicht lang! Dann weitete sich das Tal wieder. Der Wald stieg rechts und links je nach einem Berg und geradeaus nach zwei Hügeln empor. Hier wären sie am Ziehl, sagte der Führer. Die Leute atmeten auf. Die Tiere fanden im Busche Gras und Laub und tatensich wohl daran. Nachts mußten einige Männer Wache halten, damit nicht Bär und Wolf und Eber das Lager überfielen. In und zwischen den Wagen ruhten die Wandermüden. Als die Morgensonne in das feuchte Waldtal drang, erwachten alle zum Werke, Axtschläge erschollen, und Sägen kreischten. Krachend stürzten die ersten Bäume. Rodehacken und Spaten halfen Raum Schaffen für ein besseres Lager. Und dann erst konnte die planmäßige Siedlungsarbeit beginnen. Herr Heinrich kam. Er war der Mann, dem der Grundherr aufgegeben hatte, in diesem Tale ein Dorf zu gründen. Ob sie mit dem Landpreis und den anderen Bedingungen, die ihnen der Werber mitgeteilt hatte, einverstanden wären, fragte er. Als sie es bejaht hatten, ging er mit dem Landmesser und einigen Siedlern daran, für jeden geplanten Hof ein Grundstück abzumessen. Nicht unten am Bache begann man. Der tiefste Streifen des Tales, durch den das Wasser sich in hundert Schleifen wand, sollte Dorfaue werden. An den erhöhten Rändern sollten die Höfe stehen. Von hier aus mußten Beil und Säge Bahn schaffen, damit die Männer mit Ruten und Seilen in den Bergwald vorschreiten konnten. Hufen wurden abgeteilt. Eine Hufe ist ein altes deutsches Flächenmaß, das in unterschiedlichen Gegenden unterschiedliche Größe aufweist. Meist zwischen 30 bis 80 Morgen ; also 7,5 bis 20 ha. Die Hufe bezeichnet sowohl die Hofstelle, das Eigentumsrecht und die Nutzungsrechte an der Allmende, die einem Mitglied der bäuerlichen Gemeinde zustanden, als auch die von ihm bewirtschaftete Fläche. Von den gedachten Hofstellen aus verliefen sie in fast geraden Streifen nach den beiden Bergseiten. In der alten Heimat der Siedler waren die Felder in langjähriger und streng geordneter Bearbeitung ertragreich gemacht worden, da gab eine kleine Landstelle das Brot für eine Familie her. Auf dem Boden „aus wilder Wurzel“ mußten die Siedler eine größere Fläche haben, um sich von ihr nähren zu können. Neun Hufen, die später den Grundbesitz der Großbauern ausmachten, umfaßten mehr als siebzig Scheffel. Neun Stellen hatten geringeren Flächeninhalt………….. Gleichzeitig schafften fleißige Hände auf den Hofplätzen. Aus Bohlen und in Fachwerk wurden Wohnhaus und Viehstall errichtet und danach die Scheune im rechten Winkel dazu. Ein dickes Schobendach ( Stroh ) saß zuletzt wie eine warme Pelzmütze auf jedem Gebäude. Noch war alles grob und roh und nicht für die Dauer bestimmt. Noch fehlt das, was in den alten deutschen Dörfern das Wohnhaus schön und den ganzen Hof stattlich machte. Aber eine Heimstätte bildete so ein Siedelhaus doch schon. ………………. Als dann die Saaten grünten und neue Felder in braunen Furchen lagen, da erhielten die Bauernhufen ihre bunten Muster. Es breitete sich von nun an ein farbiges, frohes Licht über die Talsiedlung zwischen den Wäldern. Diese wurden mit jedem Jahr weiter zurückgedrängt nach den Höhen. Aber der letzte Teil jeder Hufe, der an der Dorfmarkung draußen, fiel der Axt nicht zum Opfer. Der Hof brauchte seinen Bauernbusch. Der mußte Streu und Feuerung liefern, auch die Stämme, daraus man Haus- und Witschaftsgeräte herstellen und die Bohlen zur Erweiterung des Gehöfts gewinnen konnte. Der Sinn war immer auf das Zukünftige gerichtet. Die Erhaltung großer Waldstreifen hatte wohl auch der Jagdherr gewünscht, damit nicht das Wild seinen Schutz verlor. Heinrich, der Ortsgründer, hatte sich einige große Hufen zumessen dürfen. Das war der Lohn, den ihm der Grundherr gewährte. Als die Anlegung des Dorfes geschehen war, waltete Heinrich als Richter. Er beriet und betreute seine Siedler also auch weiterhin. Unter seinem Vorsitze versammelten sich die Bauern um die Gewohnheiten, die Willkür (Verhalten und Handeln nach eigenem Gutdünken, Eigenmächtigkeit', mhd. wille-, wilkür, ( md. ) wil(le)kur, -kor 'freie Willenswahl, freier Wille, freiwillige Entschließung, Neigung, Zu-, Übereinstimmung,Gutdünken' ist zusammengesetzt aus dem unter Wille behandelten Wort und mhd. ) , zu errichten. Es wurde etwas bestimmt, dass der gerodete Streifen an der Bach entlang als Aue für das Kleinvieh der Allgemeinheit dienen sollte. Am Schönbacher Wasser hinaus wurde Grasland als Gemeindeviehwig erhalten. Auch an verschiedenen anderen Stellen blieben Stücke als Kuhtreeben oder Viebige liegen. Die meisten Hutungen ( Hutungen sind oft verunkrautete, unregelmäßig beweidete Weide- und Wiesenflächen ohne Wachstumsförderung. Sie können auch in lichten Wäldern liegen.) waren draußen vor den Bergwäldern.So hatten den die beiden Berge ohne besondere Beratung darüber ihre Namen bekommen: die eine Hofreihe hatte ihren Hutberg, die andere ihren Kühbuschberg, später kurz Kuhberg genannt. Für die Benutzung des Weidelandes galten Gewohnheiten. Um das Gedeihen der jungen Dorfgemeinschaft zu sichern, gab die Willkür jedem Bauern auf, die erworbene Hufe auch richtig zu nutzen. Angebautes Land sollte nicht wieder Wüste werden. Die Vernachlässigung der Ackerscholle, die das Brot spendete, hätte ja die Lebensgrundlage zerstören können. Entstand Streit zwischen den Dorfgenossen, so trat das Dorfgericht zusammen. Heinrich rief die Schöppen, die von der Gemeinde gewählt worden waren, nach seinem Hofe. Die Männer auf der Dingbank, die Richter, sie alle kannten sich, und es wurde in diesen Verhandlungen jede Sache auf eine einfache und derbe Art ins Reine gebracht. Das Haus des Richters suchten die Dorfgenossen aber nicht nur bei solchen Anlässen auf. Sie kamen auch her als Gäste seines Schankes; denn bald machte er,weil es sich als allgemeines Bedürfnis herausstellte, von seiner Schankgerechtigkeit Gebrauch. Der Richter und Kretschmer stand so ganz im Mittelpunkte des Dorflebens. 7 Was ist ein typischer Dorfkretscham in der Oberlausitz.Viele werden jedoch nicht wissen, was eigentlich das Wort Kretscham bedeutet. Wenn man sich aufmerksam in anderen deutschen Landen umhört, wird man das Wort Kretscham kaum finden nur in der Oberlausitz. In einem alten Lexikon steht unter Kretschem: „Kretscham mhd. kretschem , kretscheme, Dorfschenke; ein slawisches Lehnwort des östlichen Mitteldeutschlands, das im 16. Jahrhundert häufiger belegt ist, aber nachher aus der Schriftsprache verschwindet: tschechisch krčma, wendisch korčma, polnisch karčzma = Schenke „ In den ersten zwei Jahren der Besiedlung waren die Siedler vom Erbzins sowie von dem Kirchenzehnten befreit. Dann wurde der Erbzins vom Schultheiß, auch Richter, Schulze und später dann vom Gemeindevorstand den Siedlern abverlangt. Halb zu Walpurgis und halb zu Michaelis. Der Erbzins wurde an den Lehnsherrn abgeführt. Dem Lehnsherrn standen allein die Rechte zu, die heute der Bürgermeister, das Amtsgericht oder der Landrat ausübt. Er bestimmte auch den jeweiligen Richter im Ort. Bei uns in der Lausitz war die Wohnstätte des Richters gleichzeitig die Gerichtsstätte für die niedere Gerichtsbarkeit sowie die Schenke im Ort, die bei uns in der Oberlausitz Kretscham genannt wurde. Um 1400 zählte Heinersdorf schon zu den großen Dörfern der Gegend. Die landvogteiliche Rente, die es 1419 nach Budissin abführte, betrug 15 ½ Scheffel Hafer, 7 oder 8 Scheffel Korn, ebensoviele „schillinge gr.“. Damit stand es unter den 51 Orten eines Verzeichnisses der Dörfer , an vierter Stelle. Hier heißt es nun zum ersten Male „Heynersdorff Dorre“. Der Widerspruch zwischen diesem Namen und der Leistungsfähigkeit ist wohl nur daraus zu erklären, dass man zur Unterscheidung der vielen Heinersdörfer im Lande irgend eine zufällige Erscheinung zum Beinamen unseres Dorfes benutzte

Hartmut Klinger